Das Offenburger FORUM schickt seine Kinobesucher zünftig in den „Resturlaub“.
Die Besucher des ausverkauften Kino eins im Offenburger FORUM durften sich am 13.08.2011 nicht nur auf eine amüsante und kurzweilige Sommerkomödie, Nürnberger Würstel, Blasmusik und eine ordentliche Maß Bier freuen, sondern auch auf die beiden Hauptdarsteller der Romansverfilmung von Tommy Jauds Beststeller. Auf ihrer Deutschlandtour waren Maximilian Brückner und Mira Bartuschek angereist, um dem Publikum Rede und Antwort zu stehen. Das FORUM hatte in guter Tradition rund um den Filmstart wieder ein stattliches und stimmiges Rahmenambiente organisiert und so kam für die Zuschauer beim Warten auf ein Autogramm keine Langeweile auf.

Moviesection.de traf die beiden sympathischen Hauptdarsteller Maximilian Brückner und Mira Bartuschek vor dem Film und sprach mit ihnen über nackte Männer, die durch Buenos Aires rennen und die Schwierigkeit aus einem lustigen Buch eine gute Komödie zu machen.


„Ich war den ganzen Tag nackt.“

Moviesection.de: Ihr kommt beide vom Theater, habt in der gleichen Schauspielschule Eure Ausbildung gemacht, findet man da schneller einen gemeinsamen Groove für die Arbeit?
Mira Bartuschek: Auf jeden Fall! Wir haben uns beim Casting gesehen und hatten gleich eine große Vertrautheit. Man hat an der Schauspielschule eine intensive Zeit, die man nicht so schnell vergisst und die bei einem solchen Treffen wieder hochkommt.

Moviesection.de: … Ihr wart zur gleichen Zeit an der Otto-Fackelberg Schule?
Mira Bartuschek: Nein ich war zwei Klassen über Maximilian.
Maximilian Brückner: Ich bin drei Mal durchgefallen (lacht)

Moviesection.de: Pitschi erkennt im Laufe von „Resturlaub“ wie heimatverbunden er eigentlich ist. Etwas was er mit Dir gemeinsam hat, Maximilian?
Maximilian Brückner: Ja, ich bin sehr heimatverbunden. Ich genieße es und freue mich auch jetzt schon wieder auf zu Hause. Gerade weil ich als Schauspieler viel unterwegs bin. Pitschi dreht aber natürlich komplett am Rad. Ich dachte mir, ich erspare mir das privat und lebe es im Film aus (lacht). Das ist das Schöne am Film, dass man Dinge ausprobieren und machen kann, die man privat nie machen würde. Ich würde nie auf die Idee kommen…

Moviesection.de: ... nackt durch Buenos Aires zu laufen...
Maximilian Brückner: Oder Tabasco in bestimmte Körperöffnungen zu stecken (lacht).

Moviesection.de: „Resturlaub“ ist vom Thema her ein so genannter Thirtysomethings-Film, Ihr beide seit in diesem Alter. Fühlt man sich da gleich mehr verbunden mit der Rolle oder ist das letztlich nicht so ein wichtiger Punkt? Nach welchen Kriterien sucht Ihr Eure Rollen aus?
Mira Bartuschek: Doch, es ist ein wichtiger Punkt. Ich habe erst den Roman gelesen und später dann das Drehbuch und mir gefiel die Rolle. Eine Bauchentscheidung. Man weiß relativ schnell, ob man die Rolle machen will. Ich bin dann zum Casting gegangen und habe dort Maxi getroffen und dann wollte ich es noch mehr (lacht).
Maximilian Brückner: Es ist schön einen Gegensatz zu haben. Ich mache den Tatort, der eher düster ist. Ein Film wie „Resturlaub“ ist etwas ganz anderes. Etwas, das unglaublich Spaß macht. Aber eine Komödie ist auch verdammt schwer.

Moviesection.de: Der Film hat Leichtigkeit, die Figuren sind authentisch. Sicherlich zwei Gründe warum „Resturlaub“ solchen Spaß macht. Wie viel Arbeit steckt hinter diesem Eindruck?
Maximilian Brückner: Es war wegen dem fränkischen Dialekt insbesondere zu Beginn schwer. Wichtig ist zunächst einmal ja, dass die Figurenkonstellation passt, dass die Schauspieler zueinander passen. Die Sprache ist da zunächst zweitrangig. Wir sind froh, dass es dann so gut funktioniert hat. Wir haben toll zueinander gefunden.

Moviesection.de: Tommy Jaud, der Autor von „Resturlaub“, hat auch das Drehbuch geschrieben. War das eher ein Vorteil oder hatten Ihr das Gefühl in der Rolleninterpretation dadurch eingeschränkt zu sein?
Maximilian Brückner: Ich hatte nie das Gefühl, das er mich nicht mochte (lacht). Es ist eine Kunst etwas zu schreiben und sein „Baby“ dann an den Regisseur abzugeben. Der hat dann gegebenenfalls eine ganz andere Vorstellung. Im Film gibt es viele Szenen, die so nicht im Buch standen, sich aber im Spiel ergeben haben. Ich empfinde das als Bereicherung. Tommy Jaud ist, glaube ich, zufrieden mit dem Ergebnis.

Moviesection.de: War er denn am Set präsent?
Mira Bartuschek: Er war da, hat uns zugeschaut und war die ganze Zeit sehr interessiert.
Maximilian Brückner: In Buenos Aires war er auch.
Mira Bartuschek: Das Drehbuch wird geschrieben und dann geht die Arbeit des Regisseurs mit den Schauspielern los. Auf diesem Prozess liegt eine große Konzentration. Tommy Jaud hat das sehr gut verstanden und so war die Arbeit dann auch bei dem Regisseur Gregor Schnitzler konzentriert.
Maximilian Brückner: Tommy Jaud hat den Schauspielern, die nicht aus Franken kommen, im Hintergrund viel geholfen, gerade was den fränkischen Dialekt angeht. Zum Beispiel, dass die Endungen der Wörter immer stimmen.

Moviesection.de: Kommt der Film deutschlandweit denn überall gleich gut an? Oder reagieren die Süddeutschen anders als die Menschen im Norden?
Maximilian Brückner: Das könnte man zunächst einmal denken. Aber als wir den Film zum Beispiel in Düsseldorf vorgestellt haben, das doch ein Stück weg ist von Franken, waren die 1.500 anwesenden Leute bester Stimmung. Ich war im Vorfeld wirklich gespannt, ob der Humor ein anderer ist. Aber anscheinend ist der Humor einfach gut (lacht).

Moviesection.de: Der Film macht wirklich Laune und hat aber auch schon einige extreme Szenen. Sei es nun der besondere Tango oder auch der „Flitzer“ durch Buenos Aires. Wie haben darauf den die Argentinier reagiert?
Maximilian Brückner: Cooler als wenn ich durch München geflitzt wäre. Da hätte mich wahrscheinlich gleich die Polizei angehalten (lacht). Am Anfang hat man ja vor so einer Szene erstmal selber Angst. Ich weiß nicht, ob Du Dir schon man vorstellt hast nackt alleine auf einem Dorfplatz zu stehen, unter lauter Leuten. Die Damen saßen am Ende in den Schaufenstern, mit einem Kaffee und ihrem Klappstühlchen und fanden es toll (grinst).
Mira Bartuschek: Wie lange musstest Du denn rennen?
Maximilian Brückner: Ich war den ganzen Tag nackt. Ich hatte natürlich das Wichtigste mit einem kleinen Dreieck bedeckt, man kann den Leuten ja nicht alles zumuten.

Moviesection.de: Im Theater bekommt man die Reaktionen vom Publikum direkt. Bei einem Kinofilm dauert es ein bisschen länger. Habt Ihr mehr Lampenfieber vor Terminen wie heute oder macht das keinen Unterschied.
Mira Bartuschek: Ich finde es im Theater noch aufregender. Man bekommt die Reaktion während man spielt. Es wird gelacht oder im schlimmsten Fall kommt ein „Buh“. Nach dem Film prallt es eher an einem ab, wenn es jemandem nicht gefallen hat.
Maximilian Brückner: Ich war wahnsinnig aufgeregt. Gerade am Anfang der Promotour. Nun sind wir schon ein paar Tage unterwegs und ich merke wie ich lockerer werde. Ich habe das Gefühl den Menschen gefällt der Film. Bei einer Theatervorstellung kannst Du es sofort versauen, hast aber auch die Möglichkeit wieder etwas zu retten.
Mira Bartuschek: Man ist auf der Bühne einfach nicht so geschützt. Beim Film kann man einen Fehler immer noch herausschneiden (lacht).
Maximilian Brückner: Aber auch nur begrenzt (lacht). Irgendwann muss eine Szene im Kasten sein.

Moviesection.de: Die Kritik ist sich im Bezug auf „Resturlaub“ nicht einig. Wie geht Ihr damit um?
Maximilian Brückner: Mich trifft das nicht. Oft wird „Resturlaub“ mit meinen Tatorten verglichen. Diese Vergleiche hinken. Wie wenn man Hund mit Katze vergleicht. Die Reaktionen des Publikums sind bislang immer sehr positiv. Die Bücher von Tommy Jaud sind gut und sie verkaufen sich auch gut. Er hat einen guten Humor.
Mira Bartuschek: Kritik ist häufig relativ. Ich habe auch schon schlechte Kritiken gelesen und war hinterher von dem Film begeistert. Vom Theater kenne ich wesentlich Schlimmeres. Hier wird man persönlich angegriffen. Man darf das alles nicht so an sich herankommen lassen, das Wichtigste ist, dass man einen guten Job gemacht hat und dies zudem gerne.

Moviesection.de: Würdet Ihr sagen Komödie ist schwieriger als Drama?
Maximilian Brückner: Ein ganz klares : ja!
Mira Bartuschek: Unbedingt. Alles ist eine Timing-Frage. Beim Drama kann man auf das Gefühl setzen, sich länger Zeit lassen bis die Tränen kommen. Bei einer Komödie kommt Dein Einsatz und dann muss alles funktionieren.
Maximilian Brückner: Man liest zum Beispiel eine Szene im Buch, die total komisch ist. Spielt sie. Und plötzlich ist die Szene überhaupt nicht mehr lustig. Und man weiß nicht warum. Das macht einen wahnsinnig.
Mira Bartuschek: “Sei jetzt mal komisch“ wird dann zu einer sehr schwierigen Regieanweisung. Gregor hat öfter gesagt: „Küss ihn mal komisch“. Wie küsst man komisch? (lacht).
Maximilian Brückner: Genau das macht es dann aber aus. Der Regisseur überfordert Dich als Mensch und Schauspieler. Du machst irgendetwas, ziehst einen blöden Gesichtsausdruck und genau das ist es dann, was die Szene komisch macht.

Moviesection.de: Mira, in einem Interview hast Du einmal gesagt Schauspielkunst ist Berufung und Handwerk. Rettet das Handwerk einen dann in solchen Situationen?
Mira Bartuschek: Im Idealfall ja. Ich denke grundsätzlich, dass unser Beruf viel mit Handwerk zu tun hat. Man kann natürlich einiges auch aus dem Bauch heraus machen, aber es gibt viele Dinge, die man mit der Zeit lernt und dann einfach anwenden kann.
Maximilian Brückner: Wie ein Tisch zusammengebaut wird, das weiß jeder Tischler. Aber der eine macht an der Ecke noch eine Verzierung und der andere hobelt hier eine Faser weg. Und plötzlich ist das eine ein Kunstwerk und das andere nur ein Tisch. So entstehen die Unterschiede. Bei den Schauspielern wie bei den Handwerkern. (Schaut zu Mira und grinst) Habe ich das jetzt gut erklärt?

Moviesection.de: Ihr arbeitet beide in den Bereichen Theater, Kino und Fernsehen. In Deutschland neigen wir dazu, die Schauspieler gerne in Schubladen zu stecken. Ist das auch eine Angst von Euch, auf einen Rollentyp festgelegt zu werden?
Maximilian Brückner: Schau Dir meinen nächsten Tatort an. Der hat mit Komödie nichts mehr zu tun (lacht).
Mira Bartuschek: Maximilian macht ganz verschiede Sachen. Ich für meinen Teil habe gerade im Fernsehen schon das Gefühl, dass man in eine Richtung gedrängt wird. Davon muss man sich aber frei machen und wenn dann ein Angebot kommt, dass in eine andere Richtung geht, versuchen es auch anzunehmen. Letztendlich entscheidet aber auch immer die Qualität des Drehbuches. Das Genre ist dann zweitrangig.

Moviesection.de: Wie sehen Eure kommenden Projekte aus?
Mira Bartuschek: Ich habe gerade mit Kai Wiesinger im Marokko gedreht und in Österreich für eine Sat 1 Produktion.
Maximilian Brückner: Bei mir steht der neue Detlev Buck Film „Rubbeldiekatz“ an und „Was weg ist, ist weg“. Am 31.08.2011 kommt „Die Route“ in die Kinos. Ein Bergsteigerdrama, bei dem ich wieder mit Stephan Luca zusammen gedreht habe, der in „Resturlaub“ den Arne spielt.

Moviesection.de: Vielen Dank für das nette Gespräch.
Mira Bartuschek, Maximilian Brückner: Danke!



Resturlaub

Ein Franke in Buenos Aires: Pitschi Greulich hat genug von seinem öden Leben im stinklangweiligen und immerzu gleichen Bamberg. Seine Midlife-Crisis lässt ihn den Entschluss fassen, nicht nur seine besten Kumpels sowie seine langjährige Lebensgefährtin Biene plötzlich weit hinter sich zu lassen, sondern auch sein altes Ich. Am Flughafen erbittet er am Schalter ein Ticket zu einem Ort, „der viel zu weit weg ist“. Die Reise in das neue Leben führt Pitschi per Zufall nach Buenos Aires. Dort will er sich nun zu einem heißblütigen Argentinier entwickeln, der das Leben in vollen Zügen genießt. Behilflich ist ihm dabei die umwerfend aussehende Sprachlehrerin Luna, die Pitschi mit ihren optischen Reizen den letzten Verstand raubt. Doch geht das tatsächlich so einfach – das alte Leben hinter sich lassen, um sich von Grund auf neu zu erfinden?...zur Filmkritik


© Textmaterial & Bildmaterial: Melanie Frommholz, Moviesection.de