"Besondere Schauspieler verdienen besondere Aufmerksamkeit!"

Unter diesem Motto blickt Moviesection.de, gemeinsam mit seinen Schwesterseiten Booksection.de & Musicsection.de, auf besondere Künstler: Die "Portrait-Specials".

Unsere sogenannten „Portrait-Specials“ sollen nicht nur plumpe PR eines Schauspielers sein, sondern die Kinogänger und neuen Fans umfassend und interessant informieren.

Im März und April im Blickpunkt: Charakterschauspieler Christoph Bach, der seit vielen Jahren besondere Filme dreht, in denen er immer und immer wieder von seinem enormen Talent Zuschauer und Kritiker gleichermaßen überzeugen konnte.


Interview:

„Der Beruf des Schauspielers hat viel Widersprüchliches.“

Moviesection.de traf Christoph Bach in Berlin zum Interview.

Moviesection: Gleich in deinem Debütfilm „Narren“ hast du eine Rolle übernommen, die wegweisend erscheint, für alles was danach kam. War es eine bewusste Entscheidung gleich mit solch einer Rolle in das Schauspielgeschäft einzusteigen?
Christoph Bach: Ich habe mich damals sehr gefreut, als mir diese Rolle angeboten wurde. So vorausblickend war das gar nicht. Spannend fand ich, daß die Figur in „Narren“ sehr minimalistisch angelegt ist. Als Vorbereitung habe ich mir viele Buster Keaton-Filme angeschaut. Roman hat auch etwas Stoisches und so einen Gleichmut an sich, mit dem er durchs Leben geht. Aber seine sorgsam eingerichtete Welt gerät ihm während des Films völlig aus den Fugen. Er verliert jede Kontrolle über sein Leben. Das fand ich interessant.

Moviesection: War Buster Keaton als Vorbild vorgegeben, oder war das deine persönliche Vorbereitung auf die Rolle?
Christoph Bach: Das war eine Idee des Regisseurs Tom Schreiber. Die Buster Keaton-Filme haben mir letztlich dabei geholfen eine Form für die Figur zu finden. Ich habe Keatons Mimik und Gestik studiert, und einiges davon taucht dann in "Narren" wieder auf. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Wir haben auch einige Filme von Roman Polanski miteinander angeschaut, insbesondere "Der Mieter". Diese paranoide Atmosphäre findet sich auch in "Narren" wieder. Die Zusammenarbeit mit Tom Schreiber und Ingo Haeb, der das Buch geschrieben hat, war schon etwas Besonderes und ein schöner Einstieg.

Moviesection: Danach kam „Detroit“, deine erste Zusammenarbeit mit Carsten Ludwig und Jan-Christoph Glaser.
Christoph Bach: „Detroit“ war der erste Langfilm mit den beiden Regisseuren. Kennen gelernt haben wir uns jedoch durch den Kurzfilm „Immer an der Wand lang“. „Detroit“ war übrigens auch kein Diplomfilm, wie man vielleicht denken könnte.

Moviesection: Deine Darstellung in „Detroit“ kann dem Zuschauer durchaus auch Angst machen…
Christoph Bach: (lacht) Es war uns schon klar, dass Edzard eine sehr befremdliche Figur ist. Man weiß nicht, was mit ihm los ist. Im Grunde weiß es Edzard auch selber nicht, und das überträgt sich natürlich während des Films auf den Zuschauer: Ist es das Portrait eines Wahnsinnigen oder eben gerade nicht? Vielleicht zerbricht hier jemand vielmehr daran, was viele Menschen für normal halten? Es war uns bewusst, dass gerade diese Offenheit das Verstörende an der Figur ist. Es ging nicht darum Gründe dafür zu finden oder psychologisch herzuleiten, warum es Edzard so geht. Uns hat die Beschreibung dieses Zustands interessiert. Er ist ein Drifter, jemand, der an den Oberflächen entlang gleitet und sie permanent versucht irgendwie einzuschlagen und zu irgendetwas vorzudringen. In einer Art Amoklauf ohne Waffen schnappt er sich die Leute und befragt sie: Wie hältst Du dieses verrückte Leben eigentlich aus? Warum sitzt du so entspannt am Tresen und wirfst mir so einen Sinnspruch hin? Wo nimmst du diese Selbstverständlichkeit her, das versteh ich nicht!

Moviesection: Die Figuren in „Katze im Sack“ und „Close“ sind sich im Grunde sehr ähnlich. Beide kommen aus dem Nichts und man weiß die ganze Zeit über nicht, mit wem man es eigentlich zu tun hat. Ergeht es dir beim Spielen ähnlich oder hast du genauere Vorstellungen von diesen Figuren?
Christoph Bach: Eine Gemeinsamkeit ist vielleicht die Tatsache, dass beide Filme ihren Figuren ihr Geheimnis lassen. Das trifft übrigens auch meinen persönlichen Geschmack. Ich finde es ermüdend, wenn mir im Kino zu viel erklärt wird. Im Leben weiß ich doch auch nie genau mit wem ich es eigentlich zu tun habe. Aber als Schauspieler macht man sich natürlich sehr genaue Vorstellungen davon, wie die Figuren beschaffen sein könnten. „Close“ entstand zum Beispiel auf Basis eines Treatments und Jule Böwe und ich hatten die Möglichkeit die Figuren mitzuentwickeln. Das bedeutet man probt viel, entwirft Biographien und es entwickeln sich sehr starke Bezüge. Letztlich gibt man aber nur einen Teil dessen, was man erarbeitet hat, wirklich preis.

Moviesection: Magst du es, wenn du selbst an einem Film so stark mitarbeiten kannst?
Christoph Bach: Ich fand es super. Die Arbeitsweise bei "Close" war aber eher ungewöhnlich. Oft gibt es viel kürzere Vorläufe beim Film. Es ist aber schön, wenn man Zeit für eine gemeinsame Suche hat.

Moviesection: „Close“ und „Katze im Sack“ weißen einige Parallelen auf. Beide Filme sind zeitnah zueinander entstanden und in beiden Filmen spielst du zusammen mit Jule Böwe. Reiner Zufall oder gibt es einen konkreten Zusammenhang in der Entstehungsgeschichte?
Christoph Bach: Das war ein ziemlich großer Zufall und überhaupt nicht geplant. Die beiden Regisseure haben uns unabhängig voneinander für ihre Filme besetzt. Stilistisch sind die Filme auch sehr unterschiedlich. Während „Katze im Sack“ eine viel größere Geste wagt, ist „Close“ viel distanzierter und ruhiger. Die Regisseure hatten ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Die Unterschiede sind meiner Meinung nach auch viel interessanter als die Gemeinsamkeiten.

Moviesection: Kommen wir zu „Blindflug“. Auf den Filmfestspielen in Biberach haben wir ein Interview mit dem Regisseur Ben von Grafenstein und deiner Schauspielkollegin Barbara Philipp geführt. O-Ton von Frau Philipp war, dass ihr Schauspieler euch während des Drehs „gegenseitig befruchtet“ habt…
Christoph Bach: (lacht) Was??

Moviesection: Ja, so hat sie es ausgedrückt. Gemeint hat sie, dass Ben von Grafenstein zwar sehr genau wusste, wie sein Film werden soll, ihr Schauspieler aber manchmal anderer Meinung wart und die Figuren weiterentwickelt habt…
Christoph Bach: Es war tatsächlich so, dass bis in die Drehzeit hinein viel über Buch und Figuren diskutiert wurde. Die Vorbereitungszeit war ziemlich kurz, und es gab einige Szenen, wo wir das Gefühl hatten, da ist noch was drin oder die Dialoge müssen noch weg vom Papier. Es gab einige Nächte, wo wir Schauspieler wild diskutierend über dem Drehbuch saßen, auch wenn Ben bereits im Bett war. Am nächsten Morgen haben wir dann unsere Ergebnisse präsentiert und Ben hat sich überzeugen lassen oder eben nicht. Er hatte das letzte Wort. Und man muss sagen: Es hat am Ende auch gut funktioniert. Wir konnten uns alle einbringen. Das war auch Glück, denn zu engagierte Schauspieler sind definitiv nicht immer von Vorteil ! (lacht)

Moviesection: Dann kam die TV-Komödie „Hochzeit um jeden Preis“. Im Vergleich zu deinen bisherigen Rollen ging es dort sehr locker zu.
Christoph Bach: Ich hatte vor allem mal Lust auf eine Komödie und mit dem Regisseur Eoin Moore zusammenzuarbeiten.

Moviesection: Was fällt dir schwerer: Die leichten Rollen wie in „Hochzeit um jeden Preis“ oder eher die etwas schwierigeren Rollen wie in „Detroit“?
Christoph Bach: "Leicht" kann auch sehr schwer sein ! An einem Arbeitsplatz wie einem Drehort, wo permanenter Zeitdruck herrscht, ist es gar nicht so einfach entspannt und lustig zu sein. Aber grundsätzlich habe ich überhaupt nichts dagegen öfter mal Sachen zu spielen, die mehr aus einer Leichtigkeit heraus entstehen.

Moviesection: So wie in „Finnischer Tango“?
Christoph Bach: Ja genau. Die Figur in „Finnischer Tango“ hatte so etwas Tragischkomisches, das mir sehr gut gefallen hat.

Moviesection: Hast du die Rolle in „Finnischer Tango“ wegen dieser Leichtigkeit angenommen oder auch wegen der Thematik?
Christoph Bach: Ich fand den lockeren Umgang damit gut. Außerdem war die Arbeit mit den Schauspielern mit Behinderung ein Riesenspaß. Das waren allesamt Theater-Profis mit einer enormen Präsenz. Das war manchmal gar nicht so einfach daneben zu bestehen. (lacht)

Moviesection: Man merkt dem Film auch an, dass der Dreh einen irren Spaß gemacht haben muss…
Christoph Bach: Ja, total! Das waren mit die faszinierendsten und schönsten Dreharbeiten, die ich je hatte. Mit Nele Winkler verbindet mich seither auch eine Freundschaft, und ich kann nur empfehlen die Augen offen zu halten und nicht zu verpassen sie mal auf der Bühne zu erleben!

Moviesection: In „15 Minuten Wahrheit“ trittst du in einem Duell gegen den ebenfalls sehr leinwandpräsenten Herbert Knaup an. Wenn zwei so starke Schauspieler aufeinander treffen, ergänzt sich das oder wirkt das eher störend?
Christoph Bach: Der Film hat viel von einem Pokerspiel. Keiner möchte sich in die Karten schauen lassen und alle versuchen einander zu täuschen oder auszutricksen. Wenn man mit Herbert Knaup dann auch noch so einen hellwachen Gegner vor sich hat, dann spielt man sich gegenseitig hoch.

Moviesection: Danach kam „Prager Botschaft“, der aus deiner Filmographie etwas heraussticht. Bis zu diesem Zeitpunkt hast du dich auf solche ‚RTL-Sonntagabendfilme‘ nicht eingelassen...
Christoph Bach: Das stimmt. Das können auch durchaus schwierige Entscheidungen sein. In diesem Fall haben mich aber das Drehbuch, Lutz Konermann als Regisseur und die tolle Besetzung schnell überzeugt. Ich finde "Prager Botschaft" ist vergleichsweise auch ziemlich ungewöhnlich geworden.

Moviesection: Oftmals hat man den Eindruck, dass gewisse Rollen in Fernsehfilme von Schauspieler nur deshalb übernommen werden, weil sie dadurch schnell einem breiten und großen Publikum bekannt gemacht werden.
Christoph Bach: Der Beruf des Schauspielers hat viel Widersprüchliches. Ich habe durchaus eine Vorliebe für gewisse Filme. Mir ist aber auch bewusst, dass dabei nicht immer der große Kassenerfolg herauskommen kann. Als Schauspieler bekommt man dann aber schnell ein Problem: Wenn man einen gewissen Bekanntheitsgrad nicht hat, dann kommt man eben auch nicht an gewisse Projekte. Also muss man manchmal Entscheidungen treffen, die einem ermöglichen, auf eine Art und Weise zu arbeiten, wie man sich das wünscht.

Moviesection: Gehören die Rollen beim „Tatort“ auch zu diesen etwas schwierigen Entscheidungen?
Christoph Bach: Nein, die Rollen, die ich in „Tatorten“ übernommen habe, habe ich alle sehr gerne gespielt. Da bekommt man häufig Figuren angeboten, die einem sonst eher selten begegnen. Ich finde es spannend in einem solchen Genre zu funktionieren. Da gibt es ganz andere Regeln, die man beim Spielen beachten muss. Es gibt sehr unterhaltsame und gut gemachte Tatort-Reihen. Gegen gutes Fernsehen habe ich auch überhaupt nichts einzuwenden. Wenn man sich etwas traut, dann macht Fernsehen Sinn und man hat auch Lust mal wieder öfter einzuschalten.

Moviesection: In „66/67 – Fairplay war gestern“ hast du nun zum dritten Mal mit dem Regiegespann Carsten Ludwig und Jan-Christoph Glaser zusammengearbeitet.
Christoph Bach: Mit Carsten Ludwig und Jan-Christoph Glaser verbindet mich seit langer Zeit auch eine Freundschaft. Ein großes Geschenk für einen Schauspieler ist die Tatsache, dass die beiden sich schon früh in der Stoffentwicklung für ein mögliches Ensemble interessieren. Sie beschäftigen sich intensiv mit ihren Schauspielern und kennen sie sehr gut. Das sieht man ihren Filmen an.

Moviesection: Nach „Schattenwelt“ hast du in „66/67 – Fairplay war gestern“ erneut eine schwule Rolle übernommen. Bereitest du dich darauf anders vor?
Christoph Bach: Nein, ehrlich gesagt nicht. In "Schattenwelt" gibt es, im Gegensatz zu "66/67-Fairplay war gestern", die zärtlicheren Szenen und auch einen Kuss. (lacht)
Es hat sicher geholfen, dass ich Mehdi Nebbou schon vor den Dreharbeiten kannte. Wir fanden das alles lustig und hatte keine Angst vor körperlicher Nähe.

Moviesection: In Deutschland neigt man oft dazu, Schauspieler in eine bestimmte Schublade zu stecken. Hast du das auch erlebt?
Christoph Bach: Mir werden häufig ähnliche Rollen angeboten, aber ich versuche in Bewegung zu bleiben.
Es war zum Beispiel schön mal eine Rolle wie den Rudi Dutschke angeboten zu bekommen. Also die Rolle eines offenen und kommunikativen Charakters, der den Kontakt mit der Welt sucht und von einem Glauben an etwas beseelt ist. Das war ein schöner Kontrast zu eher zeitgenössischeren Figuren.

Moviesection: Du hast in den vergangenen Jahren sehr häufig für den, nennen wir ihn mal ‚Deutschen Nischenfilm‘ gearbeitet. Kommt es für dich überhaupt in Frage, mal in einem sehr kommerziellen Film mitzuspielen?
Christoph Bach: Es wäre natürlich absurd zu sagen, dass man sich bei gewissen Filmen nicht einfach mehr Zuschauer wünscht. Ich würde auch sagen, dass ich schon in einigen "Nischenfilmen" mitgespielt habe, die im Grunde eigentlich gar keine waren. Viele kleinere Filme haben schlicht nicht das Budget in einer entsprechenden Weise auf sich aufmerksam zu machen.
Grundsätzlich ist es bei mir immer eine Drehbuchentscheidung. Da gibt es kein spezielles Ausschlussverfahren. Ich versuche mich für Stoffe zu entscheiden, die mich interessieren. Ich mag es persönlich lieber, wenn ich das Gefühl habe, jemand möchte einen Film auf eine ganz bestimmte Weise machen und ich eine Handschrift erkennen kann. Das kann dann auch gerne ein kommerzieller Film sein, das hat mit der Größe des Budgets nichts zu tun. Ich mag es nur nicht, wenn so ein gewisses Kalkül im Vordergrund steht, dass Filme austauschbar macht. Da möchte ich dann lieber nicht mitspielen.

Moviesection: Dadurch hast du auch ein bestimmtes Image als Schauspieler…
Christoph Bach: Als Schauspieler habe ich in der Regel nicht sehr viel Einfluss. Ich kann mich nur entweder für oder gegen etwas entscheiden.

Moviesection: Du hast in auffallend vielen Debütfilmen mitgewirkt. Hat man da einen größeren Freiraum in seinem Spiel oder ist das vielmehr reine Solidarität gegenüber den jungen Filmemachern?
Christoph Bach: Bei ihrem Debütfilm setzen viele junge Regisseure alles auf eine Karte. Natürlich gibt es noch Unsicherheiten, aber auf der anderen Seite ist der erste Film ein starkes Bekenntnis und etwas sehr Persönliches.
Wenn es gut läuft, kann die ganze Aufregung eines Experiments drin stecken, und das bedeutet auch für mich als Schauspieler mehr Freiheiten und Raum etwas auszuprobieren.

Moviesection: Was macht die deutsche Filmlandschaft für dich als Schauspieler attraktiv?
Christoph Bach: Ganz einfach: Zunächst einmal die Sprache, die ich verstehe und fließend spreche. Dann hatte ich das Glück, viele Leute zu treffen, die Stoffe entwickelt haben, die Verhältnisse beschreiben, die ich kenne, oder auch so wahrnehme. Es war aber auch mal sehr aufregend, durch einen Film auf eine echte Reise zu gehen. Letztes Jahr war ich in dem neuen Film von Olivier Assayas mit dabei: "Carlos- The Jackal", der sich mit dem gleichnamigen Terroristen und seinen Netzwerken beschäftigt. Das war eine deutsch-französisches Co-Produktion, wo auch in Paris und viel im Libanon gedreht wurde. Grosse Teile des Films spielen im arabischen Raum. Das war mal etwas ganz anderes.

Moviesection: Welcher Film kommt als nächstes?
Christoph Bach: Der nächste Film ist ein echtes Herzensprojekt auf dessen Verwirklichung alle Beteiligten schon einige Jahre warten. Es ist ein unergründliches Rätsel, weshalb es mit der Förderung nicht geklappt hat, aber wir drehen jetzt trotzdem. Der Autor und Regisseur Rainer Kirberg hat unter vielem anderen den legendären Film "Die letzte Rache" auf dem Gewissen:
Eine verwegene Mischung aus expressionistischem Drama, Comic und Pop-Musical, die einfach einzigartig ist.
Sein neuestes Projekt "Das schlafende Mädchen" führt ins Umfeld zweier Kunststudenten, die Anfang der 70er Jahre bei Joseph Beuys studieren und deren Kunst und Leben von einer jungen Streunerin gehörig durcheinander gewirbelt wird. Besonders spannend finde ich die Entscheidung für das Genre Fake Documentary, d.h. der Film soll am Ende wie eine Art Videotagebuch eines der beiden Studenten erscheinen. Rainer Kirberg hat übrigens selbst zu dieser Zeit in Düsseldorf studiert.

Moviesection: Christoph, herzlichen Dank für das Interview und Deine Zeit!


Biographie:

„Ich will nicht so viel vorführen und zeigen. Ich glaube, dass man sonst den Zuschauer unterschätzt. Der Zuschauer arbeitet mit, wenn er einen Film sieht, er imaginiert viel, interpretiert alles Mögliche ganz von allein. Deshalb versuche ich als Schauspieler, nicht alles zu kommentieren. Ich nehme mich im Spiel so weit wie möglich zurück.“ sagte Christoph Bach der FAZ 2005 im Interview. Schlussendlich bringt er sich und seine großartigen, schauspielerischen Leistungen damit auf den Punkt. Überschriften, wie „Die deutsche Antwort auf Robert De Niro!“ darf man, auch wenn man solche Vergleiche hasst, gern als absolut wahr auffassen. Seine Schauspielkollegin Jule Böwe sagte übrigens über ihn jedes Mal, wenn sie seine Szenen auf dem Monitor gesehen habe: „Scheiße, sieht der gut aus.“

1975 geboren schaffte es Christoph Bach zu einem der hoffnungsvollsten deutschen Schauspieler seiner Generation zu werden - und das, obwohl er "erst" seit Ende der 90er Jahre im Geschäft ist.
Nach Schule und Zivildienst - und einigen Semestern Germanistik, Philosophie und Theater- Film- und Medienwissenschaften - schaffte es der Wunsch "Schauspieler werden" in dem jungen Christoph Bach vollends durchzubrechen. Um sich als Schauspieler ausbilden zu lassen, ging Bach an die Berliner Hochschule der Künste.
Seinen ersten Auftritt vor einer TV-Kamera hatte Christoph allerdings schon Ende der 90er Jahre – in der Christian Ulmen Show „Unter Ulmen“. „Stiller Sturm“ allerdings bezeichnete den ersten „ernstzunehmenden“ Auftritt.
2003 gab er mit „Narren“ sein Debüt im Kino. Für „Detroit“ wurde der junge Schauspieler dann mit dem Förderpreis Deutscher Film für den besten männlichen Hauptdarsteller ausgezeichnet. Ein Jahr später erhielt er für „Close“ großen Beifall und auch in „Katze im Sack“ wurde er umjubelt.
Nach „Weltverbesserungsmaßnahmen“ und dem TV-Film „Mein Mörder“ war er in „Zeppelin!“ und „Der die Tollkirsche ausgräbt“ an Bord. 2007 durften wir den talentierten Schauspieler in „Blindflug“ erneut bewundern. Hier konnte er in einer seiner beliebtesten Rollen erneut vollends überzeugen. 2009 war er in "66/67 - Fairplay war gestern" an Bord. Außerdem ist er regelmäßig im "Tatort" dabei.
Christoph Bach kann etwas, was viele Schauspieler nicht können: Das Gesicht sprechen lassen, mit einer Melancholie und Überzeugungskraft spielen, das man als Zuschauer nicht mehr blinzeln möchte, aus Angst, man könne etwas verpassen. Auf solch einen Schauspieler dürfen wir wirklich stolz sein.... zur kompletten Biographie-Seite



Filmauswahl von Christoph Bach:

Narren

Deutschland, 2003

Ausgerechnet zur Zeit des Karnevals verschlägt es den konservativen Roman nach Köln. Den einzigen sozialen Kontakt pflegt er zu seiner demenzkranken Oma, die ihren Enkel allerdings ständig mit ihrem Sohn verwechselt. Damit treibt sie Roman in die Enge: In der Rolle seines Vaters fühl er sich unwohl, ebenso wie im bunten Treiben des Karnevals. Als er sich an einem Abend dennoch mit Kollegen in selbigen stürzt, werfen ihn gleich zwei Ereignisse gänzlich aus der Bahn. Zum einen beobachtet er, wie zwei Harlekine einen Taschendieb im Zorro-Kostüm brutal zusammenschlagen und zum anderen hat er einen abenteuerlichen One-Night-Stand ohne Abschied. Als er am nächsten Tag den jungen Taschendieb tot in einer Ecke auffindet, wendet er sich Hilfe suchend an einen Polizeibeamten. Doch auch auf dem Revier scheint der Wahnsinn des Karnevals Einzug gehalten zu haben….... zur Filmkritik


Detroit

Deutschland, 2003

Edzard ist ein komischer Kauz. Diese Erfahrung macht auch ein Tramper, den Edzard auf dem Weg zu der Beerdigung seines Bruders auf einer Autobahnraststätte aufgabelt. Sobald der vollkommen eigene Typ merkt, dass sein Beifahrer nicht den gewünschten Gesprächsstoff bietet, fliegt der kurzerhand wieder aus der Karre - mitten auf der Autobahn.
Die Reise geht weiter in Richtung Braunschweig - oder geht sie doch eher in Richtung eigene Suche? ...zur Filmkritik


Close

Deutschland, 2005

Schon seit Tagen und Wochen streunt Jost durch die Straßen Berlins. Seine ‚Brötchen‘ verdient er sich durch Taschendiebstahl, seine nächtlichen Ruhestätten sucht er sich bei Bekannten. Als Jost eines nachts keine Bliebe mehr findet, sucht er ein leer stehendes Wohnhaus auf. Überraschenderweise trifft er dort auf Anna, die sich trotz Aufforderung weigert aus ihrer Wohnung auszuziehen. Sie leidet unter Agoraphobie, der Angst ihre Wohnung zu verlassen und sich dem Leben zu stellen. In dem kommenden Tagen und Nächten sucht Jost immer wieder Annas Wohnung auf, in der nun zwei Menschen aufeinander treffen, die die Nähe nicht suchen, sie aber dennoch irgendwie brauchen…...zur Filmkritik


Katze im Sack

Deutschland, 2005

Nur zufällig treffen Karl und Doris im Zug nach Leipzig aufeinander. Von der ersten Minute an sind sie sich auf gewisse Weise sympathisch. Sie flirten zurückhaltend, ihre Blicke verraten jedoch den Wunsch nach mehr. Dennoch trennen sich ihre Wege am Bahnhof. Erst später bemerkt Karl, dass Doris ihn bestohlen hat. Er beschließt sie zu suchen und seine Sachen zurückzufordern. Als er Doris in einer Karaoke-Bar wieder sieht, schließen die beiden eine Wette ab. Sollte es Karl gelingen, dass ihn eine Frau in der Bar heute Nacht mit zu sich nach Hause nimmt, sind Doris und Karl am nächsten Morgen zum Frühstück verabredet.
Für Karl keine schwere Aufgabe. Im Umgang mit Frauen ist der geübt, so dass er schon bald einen Treffer landet. Als er mit einem hübschen Mädchen die Bar verlässt, trennen sich die Wege von Karl und Doris vorerst. Vor beiden liegt eine aufregende Nacht - als der nächste Tag anbricht, hat sich bei beiden vieles verändert…...zur Filmkritik


Blindflug

Deutschland, 2007

Rainer hat eigentlich alles, was er will: Einen befriedigenden Job, eine tolle Wohnung, eine super Freundin. Fehlt eigentlich noch das perfekte Kind. Doch Lotte, seine Freundin, will in 6 Wochen ihre neue Arbeit beginnen und nicht an ein Kind denken müssen – und sie kriegt Panik!
Henrik ist gerade dabei seine Wohnung auszuräumen – und das auf eine ganz andere Art und Weise. Die Müllmänner sind es nämlich, die seinen Job machen. Sein gesamtes Hab und Gut, alles was er besitzt lässt er auf die Mülldeponie bringen. Auch sein geliebtes Auto lässt Henrik verschrotten. Anschließend macht sich Henrik auf den Weg zum Flughafen, um mit zwei Tickets an den Arsch der Welt zu fliegen.
Am Flughafen angekommen trifft die verwirrte Lotte auf den seltsamen Henrik. Und das Leben beginnt… ...zur Filmkritik


Prager Botschaft (TV)

Deutschland, 2007

Im September 1989 flüchten viele ostdeutsche Bürger in die westdeutsche Botschaft in Prag. Hier sind sie sicher und können gegen die DDR und ihr Regime demonstrieren. Unter ihnen ist auch die Lehrerin Bettina, die jedoch Tag für Tag mehr und mehr verzweifelt. Ihr Mann Stefan ist noch immer in Berlin, um ihren gemeinsamen Sohn Felix zu holen. Was das Ehepaar nicht ahnte: Ihre besten Freunde Karin und Thomas haben die beiden an die Stasi verraten. Nun ist Stefan auf der Flucht und Bettina wartet in der Prager Botschaft auf eine erlösende Nachricht von ihrer Familie......zur Filmkritik


Finnischer Tango

Deutschland, 2008

Die Musik ist das wichtigste im Leben von Alex. Zusammen mit seinen zwei Kumpels und seinem Akkordeon tourt er erfolglos durch Deutschland. Als sich einer seiner Kollegen das Leben nimmt, löst sich die kleine Band jedoch auf und Alex steht alleine da: Ohne Freundin, ohne Eltern, ohne Bausparvertrag. Als er dann auch noch erhebliche Schulden macht, flieht er aus der Stadt. Zufällig wird er während seiner Flucht auf eine Behindertentheatergruppe aufmerksam, die noch tatkräftige Unterstützung sucht. Kurz entschlossen erleichtert er einen Rollstuhlfahrer um seinen Behindertenausweis und schleicht sich so in die Theatergruppe ein. Da schnell alle Mitleid mit dem obdachlosen Alex haben, darf er sogar in die Wohngemeinschaft mit einziehen. Dort wird der bislang skrupellose Alex von der Herzenswärme überwältigt, die man ihm auf Anhieb entgegenbringt…...zur Filmkritik


66/67 - Fairplay war gestern

Deutschland, 2009

„Freunde fürs Leben.“ Das haben sich die sechs Eintracht Braunschweig-Fans Florian, Otto, Henning, Christian, Tamer und Mischa geschworen. Besiegelt haben sie ihren Zusammenhalt durch eine „66/67“-Tätowierung, die genauso lange halten soll, wie ihre Freundschaft. Ins Stadion dürfen hingegen nur noch wenige der Fußballfans. Dafür prügeln sie sich eindeutig zu gerne und haben auch die ein oder andere Vorstrafe auf dem Fanherz-Buckel.
Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die Jungs alle als sehnsüchtig Wartende. Warten auf eine Konstante im Leben, hoffen auf Zufriedenheit und Sicherheit. Florian hat studiert, hält aber seinen viel zu guten Abschluss vor seinen Freunden und seiner Geliebten Özlem geheim. Der homosexuelle Otto weiß überhaupt nicht, wohin er im Leben gehört, Henning ist das tiefschwarze Schaf in einer Polizisten-Familie und Christian hat sein Leben bis zur Rente in einem Notizblock durchgeplant, doch sein Plan droht zu scheitern. Tamer ist deutscher Türke und hat neben dem Cafe Yildiz, der Vereinskneipe von 66/67, noch seinen todkranken Vater zu versorgen. Mischa ist von all den Jungs der passivste und schaut nur zu.
Nun stehen sie hier, im Mai 2008, und hoffen mit ihrer Eintracht auf den Aufstieg in die dritte Liga. Doch in Wahrheit träumen die Jungs von ganz anderen Dingen…...zur Filmkritik