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Interview mit Schauspieler Max Kidd


Schauspieler Max Kidd in "Hangtime"

„Ich habe für die Rolle des Vinz einen neuen Menschen entstehen lassen.“

Wir sprachen mit Jungschauspieler Max Kidd über seine Rolle in "Hangtime", künftige Projekte und Traumrollen.

Moviesection: Deine Schauspielkarriere begann mit einer Rolle in der beliebten Fernsehserie „Unter uns“. Macht man sich als Schauspieler Sorgen darüber, dass man das Klischee, für alle lediglich ein Seriendarsteller zu sein, nicht mehr los wird?
Max Kidd: Ich wusste von vornherein, dass ich es nicht länger als zwei Monate machen werde. Deswegen habe ich mir eine solche Frage nie gestellt. Und mal ehrlich: An die Rolle kann sich eh keiner mehr erinnern. Ein wirklicher Seriendarsteller macht Serien und sonst nichts. So war es bei mir nie.

Moviesection:
Du hast auch schon Theaterrollen übernommen. Bleibst du der Bühne auch in Zukunft treu oder konzentrierst du dich nun voll und ganz auf die Arbeit vor der Kamera?
Max Kidd: Bis jetzt war es so, dass der Kontakt zur Filmbranche überwog. Dadurch liegt meine volle Konzentration beim Film. Theater ist schon etwas Besonderes und falls ein interessantes Projekt den Weg zu mir findet, würde ich auch gerne wieder Theater spielen.

Moviesection:
Ich habe gelesen, dass du auf einem Sportinternat warst und später eine High-School in den USA besucht hast. Das erinnert ein kleinwenig an die Biografie von Vinz. Hast du deshalb die Rolle in „Hangtime – Kein leichtes Spiel“ bekommen?
Max Kidd: Haha. Wenn es so einfach wäre. Natürlich liest es sich vielleicht ein kleinwenig ähnlich, aber ich habe für die Rolle des Vinz einen neuen Menschen entstehen lassen und diesen zu 100% mit Leben gefüllt. Ich habe vor den Dreharbeiten einige Heime / Jugendhilfeeinrichtungen besucht und war mir meiner Verantwortung, einen Jungen zu spielen der seine Eltern verloren hat, sehr bewusst.

Moviesection: Hast du schon Rückmeldung von Kindern oder Jugendlichen bekommen, die ein ähnliches Schicksal wie Vinz erleiden mussten?
Max Kidd: Ich habe viele noch einmal getroffen nachdem sie den Film gesehen haben. Es ist nicht so, dass es eine echte Rückmeldung gab. Man hat sich unterhalten - über den Film, über die Vergangenheit, über die Zukunft. Sie haben Vinz verstanden und konnten mitfühlen. Interessant ist, dass vor allem Jungs, denen es im Leben bis jetzt einfach zu gut ging, eher dazu neigen Vinz nicht zu verstehen. Ich spiele die Abläufe sehr klein und fein - ebenso wie ich viele kennen gelernt habe, die im jungen Alter ihre Eltern verloren haben. Da kommt es vor, dass der ein oder andere nichts damit anfangen kann, weil er denkt, dass es doch eigentlich ein großes extrovertiertes Drama für Vinz sein muss.

Moviesection:
Im Film spielst du einen Basketballprofi. Musstest du dich für den Dreh der Spielszenen einem harten Training unterziehen oder bist du tatsächlich leidenschaftlicher Basketballspieler?
Max Kidd:
Ich konnte davor schon recht gut spielen, habe selber mal Regionalliga gespielt. Allerdings ist das schon ne Weile her. Ich habe im Januar 2008, als ich noch nicht wusste ob ich die Rolle überhaupt bekomme, zur Casterin gesagt, dass ich jetzt schon mit dem Training anfange - für den Fall, dass ich es schaffe und der Film noch in diesem Jahr gedreht wird. Hätte ich das nicht gemacht, wäre die Zeit zu kurz gewesen um auf das nötige spielerische Niveau zu kommen. Im April kam erst die Zusage für die Rolle und im September wurde bereits gedreht. Dem Regisseur Wolfgang Groos und auch mir war es sehr wichtig, dass ich alle Szenen selber spiele.

Moviesection: Für dein Kinodebüt „Hangtime – Kein leichtes Spiel“ hast du bei dem Münchner Filmfest den „Förderpreis Deutscher Film“ gewonnen. Was bedeutet diese Auszeichnung für dich persönlich?
Max Kidd: Es ist ein Bestätigung für das ganze Team, einiges richtig gemacht zu haben. Ich gliedere mich in diese Freude mit ein. Die Frage, wie ich einen jungen Erwachsenen spiele, der trotz eines so enormen Verlustes den Ehrgeiz und die Kraft nicht verliert Profi zu werden, konnte ich mir nach vielen Recherchen, Gesprächen mit Wolfgang und rumhantieren mit der Rolle sehr genau beantworten. Dass die Jury diese Feinheit im Spiel erkannt hat, freut mich persönlich sehr.

Moviesection: „Hangtime – Kein leichtes Spiel“ war nun deine erste Kinorolle und gleichzeitig auch dein erster Spielfilm. Gefällt dir diese Arbeit besser als die für TV-Serien?
Max Kidd: Was ne Frage. Was ich an der Schauspielerei liebe, ist die Arbeit die davor stattfindet. Sich mit dem Regisseur hinzusetzen, zu diskutieren, ihm einen Weg anzubieten und sich dann damit austoben. Bei einem Spielfilm habe ich viel mehr Zeit mich mit meiner Rolle zu beschäftigen, um sie zu füllen und real werden zu lassen. Das möchte nicht mehr missen.

Moviesection: Gibt es schon weitere Angebote für Kinorollen?
Max Kidd: Mit Wolfgang Groos arbeite ich gemeinsam an einem neuen Kinofilm. Das Buch ist schon fertig, Produzenten an Board. Die ersten Schritte sind getan und ich freue mich auf eine spannende Zeit.

Moviesection: Kannst du uns noch mehr darüber verraten?
Max Kidd: Ich erkläre das Ganze mal wie einen Cocktail: Man nehme 12 Shots "klebrige und schlüpfrige Charaktere", eine guten Schuss an "Loyalität" und "Rachegelüsten" und das Ganze serviert on the "Vaterkomplex" in einem Glas aus der faszinierenden und düsteren, anziehenden und gleichzeitig abstoßenden Unterwelt.

Moviesection:
Gibt es für dich eine persönliche Traumrolle, die du schon immer mal spielen wolltest?
Max Kidd: Der Bär in dem Buch "Ein Bär will nach oben" von William Kotzwinkle, dem Autoren von „E.T.“. Ein großer schwarzer amerikanischer Bär, der unter einem Baum ein Romanmanuskript fand. Er konnte es zwar nicht fressen, aber stehlen und lesen. Und weil er es nicht schlecht fand, lieh er sich im Dorfladen einen Anzug aus, nannte sich fortan nach seiner Lieblingsmarmelade "Hal Jam", ging nach New York, um in der Verlagswelt sein Glück zu versuchen.

Moviesection:
Klingt nach einer großen Herausforderung. Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.


© Text: Kathrin Lang, Moviesection.de