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Ein Jahrzehnt der TV-Serien
In den vergangenen zehn Jahren, von 2000 bis 2010, machte das Format „Serie“ in Hinsicht auf seine Qualität und seine Bedeutung in der Unterhaltungsbranche einen gewaltigen Sprung nach vorne, sodass über das letzte Jahrzehnt viele wichtige und beeindruckende Produktionen über die Fernsehgeräte in Amerika, Europa und der ganzen Welt flimmerten und durch oftmals innovative und hochwertige Konzepte sowohl Zuschauer als auch Kritiker immer wieder aufs Neue begeisterten. So ist es für Moviesection.de an der Zeit, die vergangene Dekade Revue passieren zu lassen und noch einmal einen Blick auf die imposantesten, außergewöhnlichsten, populärsten und schlichtweg besten Formate zu werfen und ihre Eigenheiten und ihre Bedeutung hervorzuheben.
Das goldene Zeitalter des Serienformates
TV-Serien gibt es schon seit es das Fernsehen gibt. Ob nun „Raumschiff
Enterprise“ in den 60ern, „M*A*S*H“ in den 70ern, „Magnum“
und „Dallas“ in den 80ern oder „Akte X“ und „Baywatch“
in den 90ern – TV-Serien können auf eine lange Tradition und eine
bewegte Geschichte zurückblicken. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich
das Format Serie als solches in all den Dekaden gewandelt hat. Nicht nur von
Schwarz-Weiß, über Farbe bis hin zu High Definition, auch die Qualität
und Ausrichtung von Serien hat sich zusammen mit den variablen Zuschauergewohnheiten
mit der Zeit verändert. Dabei gab es selbstverständlich schon immer
Serien, die mehr dem Zwecke der Unterhaltung dienten, aber auch Serien, die
eine tiefe Botschaft durch intelligentes Fernsehen vermittelten.
Auch wenn es TV-Serien schon eine gefühlte Ewigkeit geben mag, so bleibt
doch der Eindruck, dass sich seit der Millenniumwende Einiges in diesem Segment
getan hat. Mit den technischen Neuerungen, allem voran den immer präsenter
werdenden visuellen Hilfsmitteln, kamen auch neue Ideen und Konzepte, neue Herangehensweisen
und sehr viel mehr Qualität ins Fernsehen - angetrieben durch die immer
höher werdenden Erwartungen des Publikums. Nach dieser Dekade voll guter
Unterhaltung, lässt sich zweifelsohne feststellen, dass es die „typische“
Serie nicht mehr gibt. Die Vielfalt ist enorm geworden, das Werk Serie ist künstlerisch
ernst zu nehmen und die Qualität kann sich ohne Abstriche an Kinoformaten
messen.
Vorreiter und maßgeblicher Faktor in der Entwicklung der Serienbranche
war dabei die 1994 gestartete Serie „Emergency Room“, die das Fernsehen
nach den 15 Jahren seiner Präsens geprägt hat wie keine zweite Serie.
„Emergency Room“ ebnete den Weg für Fernsehen voller Schnelligkeit,
Facettenreichtum, schauspielerischer Klasse, technischem Knowhow und konstant
gutem, gefühlsechten und mitreißendem Drama. So war diese Michael
Crichton Produktion von nun an der Maßstab aller folgenden Formate und
somit der Auftakt einer neuen Generation von Serien.
Auffälligste Entwicklung war die Tendenz zum so genannten „Serial“,
also einer Serie, mit einem episoden- und staffelübergreifenden Handlungsbogen.
Anders als das „Procedural“, einer Serie mit Episoden mit abgeschlossener
Handlung (wie es beispielweise in Crime-Serien angewandt wird), hat ein „Serial“
schlichtweg mehr Potential, das genutzt werden kann.
Folglich stand mit der Einführung der „Serial“ dem Zuschauer
ein neues Jahrtausend bevor, in dem Serienunterhaltung einen Quantensprung machte.
Immer hochwertiger, immer teurer, immer besser sollte es werden. FOX mauserte
sich zu einem der „Big Four“ Networks in den USA, zusammen mit ABC,
NBC und CBS entstanden alleine in diesen Schmieden große Welthits, die
von Kritikern und Zuschauern gleichermaßen euphorisch aufgenommen wurden.
Die aber nahezu wichtigste Entwicklung fand eher im Hintergrund statt. Immer
mehr Sparten- und Pay-TV-Sender wollten ein Stück vom Kuchen abhaben. Wo
sich kleine Sender in den USA vorher noch ihre Serien von den Networks abkauften
und in Wiederholungen ausstrahlten, begann man plötzlich im großen
Stile selbst Serien zu produzieren und an den Zuschauer zu bringen. Besonders
in diesem Zusammenhang entstanden vielseitige und außergewöhnliche
Formate, die vor allem durch Qualität glänzten. Heute sind Sparten-
und Pay-TV-Sender mit ihren Serien bei den Emmy Awards und Golden Globes Awards
die führende Macht. Die großen Networks wurden überholt.
Wenn man den Blick nun zurückrichtet und sich die Entwicklung ansieht,
die das Serienformat hinter sich hat, offenbart sich einem die beeindruckende
und schnelle Weiterentwicklung einer ganzen Branche. In jedem Genre wurden auf
unterschiedlichen Ebenen Fortschritte gemacht. Heute ist ein Serien-Schauspieler
schon lange kein Schauspieler zweiter Klasse und Serien keine Unterhaltung zweiter
Klasse mehr. Das Format „Serie“ hat sich durch beeindruckende Produktionen
als hochwertiges und mächtiges Unterhaltungsmedium erwiesen, das in den
vergangenen zehn Jahren immer mehr seiner Vorzüge zu nutzen gelernt hat.
Wichtige TV-Serien der letzten 10 Jahre

„The West Wing“
Staffeln: 7
Zeitraum: 1999-2006
US-Sender: NBC
Genre: Polit-Drama
Preise: 27 Emmy Awards, 3 Golden Globe Awards
Schöpfer: Adam Sorkin
Hauptdarsteller: Martin Sheen
Inhalt: Präsident Bartlet wurde kürzlich bei einer sehr knappen Wahl ins Amt gewählt und ist nun im ersten Jahr seiner Amtsperiode. Er und sein Stab haben jedoch alle Mühe, ihre Programme und ihre Ansichten standhaft zu präsentieren und sich gegen den politischen Gegner durchzusetzen. Der Beraterstab des Präsidenten, seine Redenschreiber, Pressesprecher und vor allem Stabschef Leo McGarry müssen sich täglich neuen Herausforderungen, kleinen Skandalen oder politischen Winkelzügeln stellen und dem Präsidenten den Rücken freihalten, was ihnen durch die exzentrische Art von Präsident Bartlet nicht immer leicht gemacht wird. Fakt ist aber, dass die Regierung ihren und den Erwartungen des Wählers hinterherhinkt und in den Umfragewerten beunruhigend schlecht steht…
Zur Serie: Die Polit-Serie „The West Wing“ startete ins neue Jahrtausend – und das überaus erfolgreich. Besonders in den USA erfreute sich das Adam Sorkin-Format großer Beliebtheit und gewann obendrein unzählige Emmy Awards; darunter mehrfach jenen für die beste Drama-Serie. Auch wenn „The West Wing“ kein auffallend innovatives Stück Fernsehen war, so ist seine Qualität noch heute unbestritten. Mit Witz, Charme und spritzigen Dialogen, gepaart mit politischer Thematik und einem Gespür für gute Dramedy, war „The West Wing“ jahrelang eines der populärsten US-Formate - auch wenn die Serie in Deutschland kaum Beachtung fand. Vor allem durch die politische Terminologie deutete „The West Wing“ schon sehr früh die Richtung an, die TV-Serien auch nehmen können und in den Folgejahren auch häufiger nahmen: Jene, in der Diskussionen über verschiedenen gesellschaftlichen Zustände, mal dezent, mal markant, ihren Platz finden. „The West Wing“ ist ein durch und durch hochwertiges TV-Format mit intelligenten Drehbüchern, sauberer Umsetzung und zudem mit politischer Relevanz, ohne dabei aufdringlich zu wirken...zur Kritik

„Die Sopranos“
Staffeln: 6
Zeitraum: 1999-2007
US-Sender: HBO
Genre: Kriegsdrama
Preise: 21 Emmy Awards, 5 Golden Globe Awards
Schöpfer: David Chase
Hauptdarsteller: James Gandolfini
Inhalt: Tony Soprano ist Boss der Mafiafamilie Soprano, hat mit dieser und seinen Mafiakollegen jedoch einige Schwierigkeiten. Von Gedächtnislücken und Panikattacken geplagt, wendet sich Tony Soprano schließlich an die Psychotherapeutin Dr. Jennifer Melfi. Dies hält er jedoch vor allen geheim, da seine Therapeutenbesuche in der Mafia als Schwäche angesehen werden und seine Stellung gefährden könnten. Und zu allem Überfluss ist den Sopranos auch noch das FBI auf den Fersen, welches sogar ein Treffen der Mafiagang filmen kann…
Zur Serie: „Die Sopranos“ galt eine lange Zeit als das ultimative Qualitätsformat. Mit seinem ersten großen Wurf erntete HBO astronomische Zuschauerquoten und Preise in Mengen. Die leicht verrückte aber doch irgendwie sympathische Mafiafamilie konnte durch den Mix aus schwarzem Humor und Drama punkten und zeigte mutige Fernsehunterhaltung der etwas anderen Sorte. Gerade mit „Die Sopranos“ zeigt sich auch zum ersten Mal in diesem Jahrzehnt, vor allem bei den kleinen Sendern, die Tendenz, sich auch an mutige Stoffe zu trauen, die bei den Networks als nicht massentauglich galten...

„24“
Staffeln: 8 (+ 1 TV-Film)
Zeitraum: 2001-2010
US-Sender: FOX
Genre: Action, Thriller, Drama
Preise: 20 Emmy Awards, 2 Golden Globe Awards
Schöpfer: Joel Surnow & Robert Cochran
Hauptdarsteller: Kiefer Sutherland
Inhalt: Als Federal Agent Jack Bauer um etwa 12 Uhr Nachts einen Anruf von seiner Dienststelle, der Antiterrororganisation CTU, erhält und sie ihn außerplanmäßig zu einer Besprechung rufen, beginnt für Bauer der längste Tag seines Lebens! Während Jack einen Anschlag auf den Präsidentschaftskandidat Senator David Palmer verhindern soll, werden seine Frau Teri und seine Tochter Kim von Unbekannten entführt. Langsam wird klar, dass die Attentäter und die Entführer ein und dasselbe sind und nun einen langfristig organisierten Plan verfolgen. Sie wollen Senator Palmer sowie Jack Bauer tot sehen…
Zur Serie: In „24“ wurde das Serienformat auf eine ganz innovative Art und Weise benutzt. Das Prinzip der Echtzeit erschuf eine Serie, bei der die Uhr mitläuft und bei dem jede Staffel lediglich 24 Stunden des Special Agent Jack Bauer (Kiefer Sutherland) erzählt, der die USA in insgesamt acht Staffeln vor Terroristen und Feinden in den eignen Reihen beschützen musste. Durch das Echtzeitkonzept zeichnet sich „24“ durch den wohl schnellsten Erzählstil aus, den es je in einer Serie gab. Damit gilt die von Joel Surnow und Robert Cochran erschaffene Serie als eine der spannendsten überhaupt. Hinzu kamen immer wieder gute Schauspielleistungen, eine enorm hochwertige Umsetzung besonders im Bereich der Action und eine konsequente und schlüssige Storyline, die sich mit den Jahren zwar zu wiederholen schien, immer aber für Hochspannung und rasante Wettläufe mit der Zeit sorgte. Kontroversen löste „24“ auch durch die einseitige und bisweilen negative Darstellung des Islams sowie durch die Zurschaustellung von Folter und extremer Ermittlungsmethoden aus. Insgesamt aber ist „24“ als voller Erfolg zu werten, dessen Beitrag zum Seriensegment sehr wichtig war...zur Kritik

„Band of Brothers“
Staffeln: 1 (Miniserie)
Zeitraum: 2001
US-Sender: HBO
Genre: Kriegsdrama
Preise: 6 Emmy Awards, 1 Golden Globe Award
Schöpfer: Tom Hanks & Steven
Spielberg
Hauptdarsteller: Damian Lewis
Inhalt: Während des Zweiten Weltkrieges machen sich tausende von alliierten Soldaten für den wichtigsten Kampfeinsatz in ihrem Leben bereit. Darunter auch die Fallschirmjäger der Easy Company unter der Leitung von Major Richard D. Winters. Am 6. Juni 1944 ist es dann soweit. Am D-Day beginnt die Invasion der alliierten Truppen auf die von den Deutschen besetzte Küste der Normandie. Die Fallschirmjäger der Easy Company sollen hinter den feindlichen Linien abspringen und von dort aus einen koordinierten Kampf gegen die Besatzer führen. Doch im Chaos des Gefechts wird die Easy Company über die Normandie verstreut und der Plan scheint nicht aufzugehen…
Zur Serie: Ebenfalls 2001 ließ der amerikanische Pay-TV-Sender HBO, der heute als der Sender für Qualitätsformate überhaupt gilt, erstmals seine Muskeln spielen. Mit dem Megaprojekt „Band of Brothers“ erweckte man die Kampfhandlungen der alliierten Soldaten in der Normandie von 1944 wieder zum Leben. Und dies so hautnah und realistisch, dass aus „Band of Brothers“ das wohl beste Serien-Kriegsdrama aller Zeiten wurde. Hier sparte HBO nicht an Kosten und Mühen, um ein von Tom Hanks und Steven Spielberg produziertes und in absoluter Kinoqualität umgesetztes Format zu zeigen. Das damalige Frankreich und die dortigen blutigen und dramatischen Kampfhandlungen werden hochwertig und mit viel Budget auf den Bildschirm gebracht. Darüber hinaus basiert die Geschichte der Charaktere auf den Erlebnissen der tapferen Soldaten der Easy Company, die zum Teil auch an der Serie mitwirkten und deren Schilderungen und oft auch emotional angehauchten Kommentare in „Band of Brothers“ integriert wurden, womit die Serie durch ihren leicht dokumentarischen Touch nicht nur realitätsnah wirkt, sondern es auch ist. Bei den Emmy Awards nahm der echte Major Richard D. Winters die Trophäe für die beste Miniserie im Namen seiner gefallenen, mittlerweile verstorbenen und noch lebenden Kameraden entgegen...zur Kritik

„Star Trek: Enterprise“
Staffeln: 4
Zeitraum: 2001-2005
US-Sender: UPN
Genre: Science-Fiction
Preise: 4 Emmy Awards
Schöpfer: Rick Berman & Brannon Braga
Hauptdarsteller: Scott Bakula
Inhalt: Wir schreiben das Jahr 2151. Das erste Warp 5 Raumschiff, die „NX-01 Enterprise“, liegt fast fertig gebaut im Trockendock im Orbit um die Erde, als ein Zwischenfall Captain Jonathan Archer und seine noch unerfahrene Crew auf den Plan ruft. Ein Klingone, der auf der Erde gestrandet war, muss so schnell wie möglich wieder zu seiner Heimatwelt zurück. Gegen den Willen der Vulkanier, die Alliierten der Erde, macht sich die Enterprise auf, um diese ihre erste Mission zu meistern. Doch während des Fluges wird das Schiff angegriffen und der Klingone entführt. Nur langsam dämmert der Sternenflottencrew, dass sie hier in etwas viel Größeres hineingezogen wurden. Sie befinden sich plötzlich zwischen den Fronten eines „Temporalen kalten Krieges“…
Zur Serie: Auch im vergangenen Jahrzehnt durfte natürlich der Titel „Star Trek“ im Fernsehen nicht fehlen. So entstand 2001 die fünfte Serie des Franchise mit dem Titel „Star Trek: Enterprise“. Die Serie geriet bei Fans nachhaltig in die Kritik, da sie ein Prequel zu den anderen Serien darstellte und die Anfänge der Föderation für einige Fans nicht gut genug schilderte. Tatsächlich waren die ersten beiden Staffeln der Rick Berman Serie alles andere als herausragende Sci-Fi-Unterhaltung, dafür aber die dritte und die vierte umso mehr. Hier generierte die Serie spannende und Episoden übergreifende Storylines kombiniert mit einer hochwertigen Umsetzung und soliden Schauspielerleistungen. Im Endeffekt wurde aus „Star Trek: Enterprise“ Science-Fiction allererster Güte und eine der besten Sci-Fi-Serien des Jahrzehnts. Hier brach man vor allem innerhalb des Franchise einige Tabus und modernisierte es durch schnelle Episoden, Action, Dramatik aber auch tiefsinnige Botschaften und „Star Trek“-typischer Themen. Leider wurde die Serie nach nur vier Staffeln, aus qualitativer Sicht viel zu früh und unverdient, von UPN wegen mangelnder Quotenerfolge abgesetzt...zur Kritik

„The Wire“
Staffeln: 5
Zeitraum: 2002-2008
US-Sender: HBO
Genre: Drama
Preise: -
Schöpfer: David Simon
Hauptdarsteller: Dominic West
Inhalt: Das Baltimore Police Department versucht, den Mörder und Drogenhändler Avon Barksdale dingfest zu machen. Auf Drängen von Jimmy McNulty, Ermittler im Morddezernat von Baltimore, wird eine Sondereinheit unter Leitung von Lt. Cedric Daniels eingerichtet, um den kriminellen Avon Barksdale, der bislang im Dunkeln agiert, hinter Gitter zu bringen. Die Einheit wird jedoch von der Polizeiführung alles andere als zuvorkommend behandelt, sodass weder gute Räumlichkeiten und ausreichendes technisches Equipment noch kompetentes Personal bereit gestellt wird…
Zur Serie: „The Wire“ hat nie einen bedeutenden Fernsehpreis gewonnen noch außerordentliche Quoten eingefahren, trotzdem gilt „The Wire“ unter vielen Kritikern und Experten als die beste Serie aller Zeiten. Durch die extrem realistische Darstellung von Drogenmilieus und den dort agierenden Menschen, durch die kontinuierliche, vielschichtige und komplexe Charakterzeichnung und die Eindringlichkeit der Serie, überzeugte sie die Kritiker und fand sogar in der Politik viel Anklang. Erst Anfang 2011 forderte der US-Generalstaatsanwalt den Sender HBO dazu auf, die Serie fortzusetzen und eine weitere Staffel zu produzieren. Denn für das US-Justizministerium ist „The Wire“ wertvolles Lehrmaterial für die Beamten und schärft auch in der Bevölkerung das Bewusstsein für heikle Themen. Ob „The Wire“ nun die beste Serie aller Zeiten ist, darüber lässt sich streiten. Trotzdem polarisierte sie auf eine ungewöhnliche Art und Weise.

„Navy CIS“
Staffeln: 8 +
Zeitraum: 2003 - Heute
US-Sender: CBS
Genre: Crime
Preise: -
Schöpfer: Donald P. Bellisario & Don McGill
Hauptdarsteller: Mark Harmon
Inhalt: Der Naval Criminal Investigative Service untersucht Verbrechen, die innerhalb der US-Navy stattfinden. Special Agent Gibbs ist der Kopf eines der Ermittlerteams des NCIS und ist zusammen mit Special Agent Anthony „Tony“ DiNozzo, Abigail „Abby“ Sciuto, Special Agent Caitlin „Kate“ Todd und Dr. Donald „Ducky“ Mallard auf Verbrecherjagd. Das Team ermittelt vor allem in Mordfällen, die innerhalb der Navy und demnach mit Beteiligung von Navy Personal stattfinden...
Zur Serie: „Navy CIS“ ist sicherlich keines der besten, dafür aber eines der populärsten US-Formate der letzten zehn Jahre. Mittlerweile erreicht die Serie in den USA wöchentlich mehr als 20 Millionen Zuschauer und ist damit die zuschauerreichste Serie derzeit. Auch im Ausland erfreuen sich Agent Gibbs und seine Ermittler großer Beliebtheit und sind eigentlich überall und immer ein Garant für gute Quoten. Objektiv gesehen ist „Navy CIS“ jedoch nicht mehr, als eine relativ durchschnittliche Crime-Serie mit den typischer Elementen einer solchen Produktion. Trotzdem ist „Navy CIS“ ein absoluter Zuschauerliebling und deshalb eine wichtige Serie des letzten Jahrzehnts.

„Battlestar Galactica“
Staffeln: 4 (+ 2 TV-Filme)
Zeitraum: 2003-2008
US-Sender: SyFy
Genre: Science-Fiction, Drama
Preise: 3 Emmy Awards
Schöpfer: Ronald D. Moore & David Eick
Hauptdarsteller: Edward James
Olmos
Inhalt: Dr. Gaius Baltar ist einer der führenden Wissenschaftler
der zwölf Kolonien von Kobol, in denen sich die Menschheit niedergelassen
hat, und leitender Berater des Verteidigungsministeriums. Seit einiger Zeit
hat Gaius eine mysteriöse Geliebte, der er aus Zuneigung und Naivität
Zugang zu geheimen militärischen Daten verschafft. Doch die attraktive
Frau ist nicht die, die sie vorgibt zu sein. Sie ist ein Zylonenmodell, Nummer
Sechs, das der Vorbote einer Invasion der Zylonen, von der Menschheit vor langer
Zeit erschaffene Maschinen, ist. Bevor Baltar vollständig die Tragweite
seiner Fehler begreift, legt eine zylonische Flotte das Verteidigungsnetzwerk
aller Kolonien lahm und startet einen groß angelegten nuklearen Schlag,
den so gut wie kein Mensch überlebt.
Mitten in der Stilllegungszeremonie des altehrwürdigen Kampfsterns Galactica
erreicht Commander Adama die Nachricht des Angriffes, woraufhin er sein Schiff
kampfbereit machen lässt. Doch als die neu vereidigte Präsidentin,
die ehemalige Bildungsministerin Laura Roslin, mit einer Flotte ziviler Überlebender
auftaucht, überlegt es sich der Commander doch noch einmal, ob es richtig
ist, in einen Krieg zu ziehen, der bereits verloren ist…
Zur Serie: 2003 startete nicht nur die beste Serie des Jahrzehnts, sondern wohl auch eine der besten TV-Serien aller Zeiten. „Battlestar Galactica“ begeisterte Zuschauer und Kritiker gleichermaßen und reüssierte durch einen gekonnten Mix aus Science-Fiction, Action, politischem, menschlichem und gesellschaftlichem Drama und einem grandios konzipierten roten Faden. Alleine die fantastische Machart von „Battlestar Galactica“ revolutionierte das Fernsehen in Sachen visuelle Effekte, Kameraführung, Ton und Musik. Das Konzept der Serie, welches auf einer religiösen Grundbasis begründet war, lieferte Konfliktpotential und schilderte die menschliche Natur sehr eingehend und tiefgreifend. Außerdem beschäftigten sich die Produzenten intensiv mit Fragen der Demokratie, des Menschseins und dem Sinn des Lebens. Die Frage nach einem Gott diktierte viele Facetten der Serie. Getragen wurde dies von einem einmalig guten Ensemble, in dem so viele gute Schauspieler agierten, wie in sonst keiner Serie, allen voran Edward James Olmos, dessen emotionales Schauspiel wohl eines der besten war, das das Fernsehen je gesehen hat. „Battlestar Galactica“ ist ein qualitativer Meilenstein für das Format Serie. Nicht nur aufgrund der technischen Neuerungen, sondern auch dank seines Facettenreichtum, der Tiefsinnigkeit, der Schauspielleistungen und der bloßen Macht des gezeigten Bildes. Diese Serie hat das Fernsehen nachhaltig geprägt und ist ohne große Einschränkungen als eine perfekte Serie zu bezeichnen, die aufzeigt, wie viel Potential das Serienformat hat...zur Kritik

„Lost“
Staffeln: 6
Zeitraum: 2004-2010
US-Sender: ABC
Genre: Mystery
Preise: 19 Emmy Awards, 1 Golden Globe Award
Schöpfer: J.J. Abrams & Damon
Lindelof & Jeffrey Lieber
Hauptdarsteller: Matthew Fox
Inhalt: Auf dem Flug von Sydney nach Los Angeles ereignet sich über dem Ozean ein katastrophaler Unfall und die Maschine Oceanic 815 stürzt ab. Als nächstes finden sich die überlebenden Passagiere mit Teilen des zerstörten Wracks auf einer unbekannten Insel wieder. Als der erste Schock überwunden ist, wird den Protagonisten klar, dass sie vergebens auf Rettung warten. Auf dieser Insel geht etwas vor sich, das so mysteriös wie gefährlich ist…
Zur Serie: 2004 war das Super-Serien-Jahr. In dieser Saison starteten so viele Erfolgsserien, wie in keinem anderen. Den Anfang machte eine teure und aufwendige Produktion von J.J. Abrams, der sich mit dieser Serie in den Olymp der Serienschöpfer katapultierte. Die Rede ist von der Mystery-Serie „Lost“, welche eines der größten und einflussreichsten Formate des Jahrzehnts war. Besonders in den ersten Staffeln faszinierte „Lost“ Millionen von Fans und viele Kritiker mit einer äußerst komplexen und außergewöhnlich spannenden Geschichte rund um eine Gruppe von Menschen, die auf einer einsamen Insel strandet und nun ihrem Schicksal begegnet. Dabei zeichnete sich „Lost“ gleich durch mehrere Aspekte aus. Zum einen sind es die Rückblenden, die die Geschichten der Charaktere erzählen, was bei einem so großen Cast wie bei „Lost“ für viele Informationen und manchmal auch leichte Verwirrung sorgte. Zum anderen sind es die daraus resultierenden Verflechtungen der Handlungsbögen, die im Laufe der Serie breit gefächert wurden. Es gibt wohl keine zweite Serie, die eine so komplexe Handlungsstruktur hat, wie „Lost“. Zu komplex manchmal. Zum Ende der Serie verrannte man sich in so abstruse Handlungsgebilde, dass kaum noch ein Zuschauer den Durchblick behalten konnte. In der Folge präsentierten die Macher ihren Fans ein enttäuschendes Serienfinale. Trotzdem war in den ersten Staffeln zu sehen, zu welchen komplizierten und aufregenden Verflechtungen eine Serie im Stande ist, womit „Lost“ viele andere Serien inspirierte und das Mystery-Genre revolutionierte...zur Kritik

„Desperate Housewives“
Staffeln: 8
Zeitraum: 2004-2012
US-Sender: ABC
Genre: Comedy-Drama
Preise: 7 Emmy Awards, 3 Golden Globe Awards
Schöpfer: Marc Cherry
Hauptdarsteller: Teri Hatcher
Inhalt: In der Wisteria Lane ist jede Menge los: Nachdem sich die scheinbar perfekte Hausfrau Mary Alice Young das Leben nahm, machen sich ihre Freundinnen große Vorwürfe: Susan Mayer lebt mit ihrer Tochter Julie zusammen, Lynette Scavo kämpft, gemeinsam mit ihrem Mann Matt, gegen ihre Kinder, Gabrielle Solis, verheiratet mit ihrem Carlos, schläft mit dem Gärtner und Bree Van De Kamp ist sowieso die perfekte Ehefrau & Mutter. Gemeinsam machen sich die Frauen so ihre Gedanken: War es wirklich Selbstmord? Oder steckt mehr dahinter?
Zur Serie: Ob die spritzige Mischung aus Comedy, Drama und ein wenig Mystery nun als ein Qualitätsformat zu bezeichnen ist, bleibt fragwürdig. Wohl eher nicht. Fakt ist aber, dass „Desperate Housewives“ die erfolgreichste Serie der vergangenen Dekade war. Mit über 23 Millionen Zuschauern bedeutete „Desperate Housewives“ für ABC ein Megaerfolg. Und nicht nur die Amerikaner liebten diese bissige Serie. 2007 wurde ermittelt, dass sie mit einer Zuschauerschaft von über 120 Millionen Menschen auch weltweit das beliebteste TV-Format ist. Zuletzt war es nur der noch erfolgreicheren Serie „Emergency Room“ gelungen, solche Werte einzufahren. Mit dem größten Publikum ist „Desperate Housewives“ ohne Frage ein bedeutsames Format des letzten Jahrzehnts...zur Kritik

„Boston Legal“
Staffeln: 5
Zeitraum: 2004-2009
US-Sender: ABC
Genre: Comedy-Drama,
Preise: 5 Emmy Awards, 1 Golden Globe Award
Schöpfer: David E. Kelley
Hauptdarsteller: James Spader
Inhalt: In der Bostoner Anwaltskanzlei „Crane, Poole & Schmidt“ geht es heiß her. Der senile Staranwalt Denny Crane (William Shatner) und sein bester Freund Alan Shore (James Spader) verhandeln in ihrer Kanzlei die verrücktesten Fälle und treiben ihre Kollegen und die Richter ein um das andere Mal in den Wahnsinn, was die dritte Firmengründerin, Shirley Schmidt, auf den Plan ruft. Zusammen kämpfen die drei und der Rest ihrer Kanzlei mit den unkonventionellsten Mitteln für ihre Klienten im und abseits des Gerichtsaales.
Zur Serie: Wenn man „Boston Legal“ als beste Anwaltsserie und beste Dramedy-Serie überhaupt bezeichnet, wird man wohl kaum jemanden finden, der einem widerspricht. Denn genau dies ist sie. Durch einen enormen Feinsinn das Wandeln zwischen Humor und Dramatik betreffend zeichnet sich „Boston Legal“ genau so aus, wie durch ihre Relevanz und ihre ausgezeichneten Schauspieler. Eine Serie wie „Boston Legal“ gab es noch nie. Verrückt, schrullig, abgedreht aber doch irgendwo immer bei der Sache und vor allem am Zahn der Zeit. In der einen Szene treibt einen diese abstruse Serie zu Lachanfällen, in der nächsten rührt sie zu Tränen. David E. Kelley, der für seine gesellschaftsrelevanten Formate bekannt ist, nutzte „Boston Legal“ darüber hinaus jedoch noch zu mehr, als zur reinen Unterhaltung, wodurch das Format Serie eine neue Dimension erhielt. Durch scharfe und schnelle Dialoge, Wortwitz, Spitzzüngigkeit und Humor werden hier in fast jeder Episode Themen von höchster politischer und gesellschaftlicher Relevanz behandelt. Krieg, Terror, Gesundheitssystem, Pharmaindustrie, Tabakindustrie, Abtreibung, Todesstrafe und vieles mehr. Es gibt kein Thema, welches „Boston Legal“ nicht offen, ehrlich und mehr als direkt anspricht. Dabei bezieht „Boston Legal“ oftmals klar Stellung im demokratischen Lager und zieht die Republikaner herrlich frech durch den Kakao. Dies alles ist so geschickt, intelligent und unterhaltsam in die Handlung gebettet, dass „Boston Legal“ nicht langweilt und auch nicht nervt. Durch James Spader und William Shatner, die jeweils einen Demokraten und einen Republikaner verkörpern, werden diese Facetten der Serie in unglaublicher Form schauspielerisch auf den Bildschirm gebracht. „Boston Legal“ ist ein einzigartiges Format. Unterhaltung pur, gepaart mit ständigen Diskussionen, harschen Kritiken und spitzen Anfeindungen im Bereich der Politik. Durch seine intelligente und humorvolle Struktur konnte sich „Boston Legal“ alles erlauben, außer still zu sein. Nie gab es eine Serie, die sich politisch so direkt und so lautstark engagiert hat. Eine weitere Facette der Serienunterhaltung...zur Kritik

„Dr. House“
Staffeln: 8
Zeitraum: 2004-2012
US-Sender: FOX
Genre: Medical-Drama
Preise: 4 Emmy Awards, 2 Golden Globe Award
Schöpfer: David Shore
Hauptdarsteller: Hugh Laurie
Inhalt: Dr. Gregory House ist nicht gerade das, was man einen "Mediziner aus Leidenschaft" nennt, im Gegenteil: Mit Patienten will der Diagnostiker am liebsten gar nichts zu tun haben und wälzt Anamnese und Gespräche gern auf seine drei Assistenten Dr. Eric Foreman, Dr. Allison Cameron und Dr. Robert Chase ab. Eines jedoch kann House: Er findet heraus, was einem Patienten fehlt, wenn viele andere Ärzte schon lange aufgegeben haben. Deshalb beschäftigen sich er und sein Team größtenteils mit nur einem Patienten, denn in den meisten Fällen geht es um Leben und Tod...
Zur Serie: Auch wenn in diesem Jahrzehnt Serien mit großem Cast modern waren, hielten sich natürlich auch Serie mit Fokussierung auf einen Hauptcharakter. Im Falle von „Dr. House“ war dies der von Hugh Laurie sehr vielseitig, mürrisch, penetrant und ambivalent verkörperte Doktor Gregory House, der Spezialist für Diagnostik ist. Die Suche nach der passenden Krankheit des Patienten der Woche folgte im Prinzip dem typischen Crime-Schema. Jedoch war der Charakter House etwas ganz Neues. Politisch unkorrekt, mehr als unfreundlich, ekelhaft ehrlich und absolut unsympathisch präsentierte David Shore dem Zuschauer hier einen Charakter, der genauso abstoßend wie faszinierend war. Nach und nach werden die verschiedenen Eigenheiten und Tiefen des Doktor House Schale für Schale abgepellt und dem Zuschauer offenbart sich eine Figur höchster Komplexität und großer Anziehungskraft. Durch geschliffene und messerscharfe Dialoge und Humor unterhielt man auf eine sehr bissige Art und Weise. Langweilig wird diese einzigartige TV-Figur Doktor House selbst nach acht Staffeln nicht. Ein prachtvolles Beispiel für erstklassige Charakterzeichnung und Schauspielkunst. In Deutschland war „Dr. House“ lange Zeit sogar die erfolgreichste US-Serie mit über fünf Millionen Zuschauern wöchentlich...zur Kritik

„Rom“
Staffeln: 2
Zeitraum: 2005-2007
US-Sender: HBO
Genre: Historien-Drama
Preise: 7 Emmy Awards
Schöpfer: Anne Thomopoulos & William MacDonald & John Milius
Hauptdarsteller: Kevin McKidd
Inhalt: Caesar ist ein sehr erfolgreicher Feldherr in Gallien und hat gerade deren Heerführer besiegt. Kurz darauf erreicht Caesar die Nachricht vom Tode seiner Tochter. Da diese die Frau des mächtigen Feldherrn Pompeius war, zieht dies politische Konsequenzen nach sich. Schließlich zieht Caesar mit seiner Legion in Richtung Rom und provoziert einen Bürgerkrieg. Für zwei Soldaten der 13. Legion, die unter Caesar steht, fängt nach der Eroberung Roms das zivile Leben an. Lucius Vorenus und Titus Pullo versuchen sich durch die harten Zeiten zu schlagen und sich möglichst aus allem Politischen herauszuhalten, was ihnen allerdings mehr als einmal nicht gelingt. Rom steht in diesen Zeiten auf Messers Schneide und dementsprechend auch seine Bewohner…
Zur Serie: 2005 wartete der Pay-TV-Sender HBO mit seinem nächsten Mega-Projekt auf. „Rom“ war eine der größten und teuersten TV-Produktionen aller Zeiten. Alleine die erste Staffel verschlang durch pompöse Sets und monumentales Produktionsdesign ein Budget von 100 Millionen Dollar. Doch die Investition lohnte sich. Das alte Rom wird hier sehr beeindruckend zum Leben erweckt und die Kulissen, Ausstattungen und Kostüme zeugen von Detailverliebtheit. Selten war eine TV-Serie so hochwertig und optisch so ansprechend in Szene gesetzt. Erzählt wird die Geschichte des alten Rom in der Zeit von Julius Cäsar, wobei es geschichtlich nicht immer 100%ig korrekt zugeht. Trotzdem war „Rom“ obendrein spannend und, soweit man das beurteilen kann, realistisch erzählt und bot allerhand Konspirationen, Gewalt, Blut, Sex und Drama. Für Geschichtsfans ist diese Serie wohl alleine durch die beeindruckende Optik und die antike Atmosphäre ein Muss. „Rom“ ist ein echtes Kunstwerk von einer Serie...zur Kritik

„Heroes“
Staffeln: 4
Zeitraum: 2006-2010
US-Sender: NBC
Genre: Mystery
Preise: 1 Emmy Award
Schöpfer: Tim Kring
Hauptdarsteller: Milo Ventimiglia
Inhalt: Sie kennen sich nicht und dennoch haben sie eines gemeinsam: Besondere Fähigkeiten, wie die X-Men im Kino können auch sie verschiedenste Dinge von Geburt an. Doch alle haben sie Angst vor sich selbst und alle müssen erkennen, sich ihrer Bestimmung zu fügen: die Welt zu retten. Jeder einzelne von ihnen muss seinen Teil beitragen, sonst droht New York eine wahre Katastrophe. Ob Hiro aus Japan, die Cheerleaderin Claira aus Texas, der Politiker Nathan und sein Bruder Peter aus New York, oder der Genetiker Mohinder Suresh aus Indien. Sie alle müssen ihre Bestimmung finden - und die Menschen retten, zu Helden werden...
Zur Serie: „Lost“ machte es vor, „Heroes“ machte es nach. Ein großes Ensemble, komplexe Handlungsverläufe und viel Mystery. 2006 startete der Kritiker- und Zuschauerhit „Heroes“ auf NBC und erinnerte ein wenig an die X-Men. Nichtsdestotrotz begeisterte „Heroes“ durch eine enorm spannende und facettenreiche Story, die von vielen Haupt- und Nebenhandlungen geprägt war. Dies führte wie bei „Lost“ dazu, dass die ersten Staffeln außergewöhnlich fesselnd und spannend waren, die Serie hinten heraus aber durch die Vielschichtigkeit der Handlung ins Trudeln geriet und ein unbefriedigendes Ende nahm. Trotzdem ist „Heroes“ ein hochwertiges und wichtiges Format des letzten Jahrzehnts, welches in erster Linie durch die serielle Komplexität überzeugte...zur Kritik

„30 Rock“
Staffeln: 6+
Zeitraum: 2006 - Heute
US-Sender: NBC
Genre: Comedy
Preise: 14 Emmy Awards, 6 Golden Globe Awards
Schöpfer: Tina Fey
Hauptdarsteller: Tina Fey
Inhalt: Liz Lemon ist erfolgreiche Leiterin des Autorenteams der „Gierlie Show“. Doch ihr neuer Chef, Jack Donaghy, versucht sich fortwährend in ihre Arbeit und ihr Privatleben einzumischen und stellt den flippigen Filmstar Tracy Jordan ein, der aus der „Gierlie Show“ „TGS with Tracy Jordan“ macht und somit Hauptdarstellerin Jenna Maroney beiseite drängt, was diese sich aber nicht gefallen lassen will und Liz dafür die Schuld gibt. Zu allem Überfluss ist Tracy kein umgänglicher Mensch, der mehr Probleme bereitet, als man lösen kann. So ist es für Liz ein Kraftakt, die Show zusammenzuhalten, während ihr Chef Jack nur mit altklugen Ratschlägen glänzen kann…
Zur Serie: Auch im Comedy Bereich hat sich über die vergangenen Jahre etwas getan. Zwar blieben Sitcoms weiterhin Sitcoms, ohne größere innovative Neuerungen, aber trotzdem stachen ein paar Comedy-Formate heraus. Darunter vor allem „30 Rock“, welche die wohl auffälligste Spaßmaschine in der letzten Dekade war und immer noch ist. Die Serie von und mit Tina Fey bestach von Beginn an mit spritzigem Humor, der gleichermaßen leicht wie intelligent sein konnte. Da die Serie hinter den Kulissen einer fiktiven Show von NBC spielt, nimmt man hier auf herrliche Weise die US-Unterhaltungsbranche aufs Korn und begeistert obendrein durch Gags im Bereich der Politik und Gesellschaft. „30 Rock“ ist ein frisches, aktuelles und immer lustiges Format, das auf der Höhe der Zeit ist und nicht nur durch oberflächliche Späße glänzt, wie manch andere Comedy. Zurrecht der Kritikerliebling der vergangenen Jahre!...zur Kritik

„Californication“
Staffeln: 5+
Zeitraum: 2007 - Heute
US-Sender: Showtime
Genre: Comedy-Drama
Preise: 2 Emmy Awards, 1 Golden Globe Award
Schöpfer: Tom Kapinos
Hauptdarsteller: David Duchovny
Inhalt: Hank Moody war einmal ein erfolgreicher Schriftsteller, dessen Bücher sogar verfilmt werden. Doch in letzter Zeit und nach der Trennung von seiner Frau Karen, lässt sich der Frauenschwarm immer mehr gehen. Er trinkt, hängt rum und schleppt reihenweise Frauen ab. Während seine Tochter Becca mit der Situation gut zurechtzukommen scheint, ist Karen, die nun einen neuen Mann heiraten will, nicht begeistert. Da kommt es gerade recht, dass Hank neu inspiriert wird…
Zur Serie: Die echte Revolution und damit auch ein neuer Trend im Segment der Comedy kam jedoch erst August 2007 mit „Californication“ des Pay-TV-Senders Showtime, der im vergangenen Jahrzehnt immer mehr mit Qualitätsformaten auf sich aufmerksam machte. Eine Serie wie „Californication“ hatte das Fernsehen bislang noch nie gesehen. Viel Sex, viel nackte Haut und noch mehr Ungehöriges. Das sündhafteste Format im Fernsehen schockierte bzw. unterhielt mit Ungezügeltheit, Offenherzigkeit und einem noch nie da gewesenen, schlüpfrigen und brüllend komischen Humor. Doch dies ist nur die eine Seite von „Californication“. Denn die Serie ist keine reine Comedy, sondern vielmehr eine sehr gute Dramedy, wohin in letzter Zeit bei Comedy-Formaten immer häufiger die Tendenz ging. „Californication“ hat eine ernsthafte, nachdenkliche und obskur tiefsinnige Seite. Die Serie geht anders mit wichtigen Fragen des Lebens um, weshalb dies auf den ersten Blick nicht immer auffällt. Aber „Californication“ ist ein sehr intelligentes, zuweilen auch dramatisch angehauchtes, vielschichtiges und trotzdem sehr lustiges Stück Fernsehen, welches so noch nie da war und absolut prägend für das Fernsehen ist. „Californication“ hat Tabus gebrochen und nimmt kein Blatt vor den Mund. So sieht modernes Fernsehen aus!...zur Kritik

„Mad Men“
Staffeln: 5+
Zeitraum: 2007 - Heute
US-Sender: AMC
Genre: Historien-Drama
Preise: 13 Emmy Awards, 3 Golden Globe Awards
Schöpfer: Matthew Weiner
Hauptdarsteller: Jon Hamm
Inhalt: Donald Draper ist der kreative Kopf in einer großen Werbeagentur in Manhattan. Er verdient gut, hat eine wunderschöne Frau und zwei gesunde Kinder. Allerdings verfällt Draper allzu häufig in Untreue und trifft sich mit einer anderen Frau, während seine Ehefrau zu Hause in der Vorstadt das Abendessen zubereitet. Betty wird mit der Zeit depressiv und schließlich von ihrem Ehemann Donald dazu angehalten, einen Psychologen aufzusuchen. Im Büro bekommt Draper mit Peggy eine neue Sekretärin, die sich erst einfinden muss und das Ziel frauenfeindlicher Äußerungen ihrer männlichen Kollegen ist. Währenddessen hat Pete Campbell Intentionen, einmal ganz weit nach oben zu kommen und Donald Draper womöglich von seiner Position zu verdrängen…
Zur Serie: Wenn es nach Kritikern und Preisrichtern geht, so ist wohl „Mad Men“ die beste TV-Serie des Jahrzehnts. Drei Jahre in Folge gewann die Serie den Golden Globe und Emmy Award und wurde auch beim Publikum von Jahr zu Jahr beliebter. Der kleine Sender AMC legte damit den Grundstein für seine sehr erfolgreiche und enorm hochwertige Seriensparte. Das in den 60ern angesiedelte Format überzeugt vor allem durch einen kontinuierlichen, anspruchsvollen und intelligenten Erzählstil, gute Charakterarbeit und durch ein Gespür der damaligen Zeit. Die guten Dialoge sitzen da genauso passgenau, wie die Anzüge der Herren und die Kulissen der Büros und Häuser. Alles wirkt authentisch, gediegen und realistisch. Eine der anspruchsvollsten und qualitativ hochwertigsten TV-Serien des Jahrzehnts...zur Kritik

„Damages“
Staffeln: 4+
Zeitraum: 2007 - Heute
US-Sender: FX Network / DirecTV
Genre: Justiz-Drama, Thriller
Preise: 4 Emmy Awards, 1 Golden Globe Award
Schöpfer: Todd A. Kessler & Glenn Kessler & Daniel Zelman
Hauptdarsteller: Glenn Close
Inhalt: Ellen Parsons ist eine junge, viel versprechende Anwältin in New York. Schließlich hat sie ein Vorstellungsgespräch bei Patty Hewes, der härtesten Anwältin der Stadt. Wegen Ellens Verbindungen zu Personen, die in eine Sammelklage verwickelt sind, wird sie von Patty eingestellt und voll in den Fall Frobisher integriert. Dieser muss sich nämlich einer Sammelklage stellen, da er sein Unternehmen gegen die Wand gefahren hat und seine Mitarbeiter nun vor dem Ruin stehen. Während sich die zwei Parteien juristisch wie psychologisch bekämpfen, baut sich ein immer undurchsichtigeres Netzt an Intrigen und Betrügereien auf. Beide Seiten schrecken weder vor Erpressung noch vor Mord zurück, um ihre Ziele durchzusetzen. Ehe sie sich versieht, ist Ellen mittendrin in einem Machtkampf, der nur einen Gewinner kennen kann…
Zur Serie: „Damages“ ist das beste Anwalts-Drama des Jahrzehnts. Nicht nur, dass die Serie erstklassig besetzt ist, auch gehört diese zu den spannendsten und konzeptionell geradlinigsten unserer Zeit. In jeder Staffel gibt es einen großen Fall, der von der Anwältin Patty Hewes übernommen wird. In der juristischen Schlammschlacht wird dann mit harten Bandagen gekämpft und so entwickelt sich eine enorm spannende Handlung voller Verzweigungen und unerwarteter Wendungen. Da jede Staffel für sich abgeschlossen ist, läuft alles auf einen Höhepunkt hinaus. Zudem wurde mit Glenn Close eine phänomenale Hauptdarstellerin gefunden, die an der Seite der ebenfalls sehr guten Rose Byrne absolut mitreißend spielt. „Damages“ ist klug erzähltes, hochgradig Nerven zerreißendes und perfekt geschriebenes Fernsehen mit herausragenden Schauspielleistungen. Ein absolutes Qualitätsformat mit Suchtfaktor...zur Kritik

„Breaking Bad“
Staffeln: 5
Zeitraum: 2008-2012
US-Sender: AMC
Genre: Drama
Preise: 6 Emmy Awards, 1 Golden Globe Award
Schöpfer: Vince Gilligan
Hauptdarsteller: Bryan Cranston
Inhalt: Walter White ist Chemielehrer und hat einen Nebenjob, um seine Familie über Wasser zu halten. Sein jugendlicher Sohn Walter jr. ist körperlich behindert und seine Frau Skyler erwartet ein weiteres Kind. Nach einem Schwächeanfall erfährt Walter, dass er Lungenkrebs im Endstadium hat und sein Leben bald verstreichen wird. Durch einen Zufall trifft Walter seinen alten und chaotischen Schüler Jesse, der mittlerweile ins Drogenmilieu eingestiegen ist. Um seiner Familie Geld hinterlassen zu können, beginnt Walter mit Jesse Meth zu kochen und dieses sehr gewinnbringend zu verkaufen. Das Problem ist nur, dass sein Verwandter Hank bei der Drogenfahndung arbeitet, ihn die Krankheit behindert und er dies alles vor seiner Familie geheim halten muss. Und tatsächlich läuft schon von Anfang an alles aus dem Ruder…
Zur Serie: Wenn man Serienfans nach der besten Serie des Jahrzehnts fragt, wird die Antwort sehr oft „Breaking Bad“ lauten. Wenn man Serienfans nach dem besten Schauspieler fragt, wird die Antwort Bryan Cranston lauten. Der dreifache Emmy Award Preisträger ist zweifellos eines der beeindruckendsten Gesichter des TV-Jahrzehnts, der nach Edward James Olmos, Hugh Laurie oder James Spader erneut veranschaulichte, wie grandios das Schauspiel heutiger Serienschauspieler ist. Cranston agiert in einer absolut einmaligen Produktion. „Breaking Bad“ ist sehr charakternah und nachvollziehbar gestaltet, intelligent entworfen, ungewöhnlich aber stilistisch hervorragend in Szene gesetzt und schlicht und ergreifend atmosphärisch so schlicht wie atemberaubend. Der Chemie-Lehrer, der zum Drogenlord avanciert, wird so intensiv dargestellt, dass man nur staunen kann. Besonders in der Anfangsphase mischt sich ein rabenschwarzer, makaberer aber sehr unterhaltsamer Humor unter die dramatische Handlung. Danach wird „Breaking Bad“ zunehmend zu einem reinen Drama voller Emotionen, Tiefgang und menschlicher Tragödie. Dabei drängt sich die Serie dem Zuschauer nicht auf, sondern lässt lieber die stillen Momente auf ihn wirken. Bryan Cranston und der ebenfalls brillante Aaron Paul zeigen so viel Präsens vor der Kamera, dass die Serie mit einer sehr schlichten Optik und einem sehr ruhigen Kamerastil auskommt. „Breaking Bad“ ist zu facettenreich, um jedes Detail zu erwähnen. Fakt ist aber, dass die Drama-Serie eine Qualitäts-Serie durch und durch und somit anspruchsvolle Unterhaltung ist. „Breaking Bad“ gehört zu dem absolut Besten, was das Fernsehen von 2000 bis 2010 hervorbrachte, wird aufgrund ihrer Eigenarten aber wohl einzigartig bleiben. Geprägt hat sie das Serienbusiness aber auf jeden Fall nachhaltig...zur Kritik

„The Pacific“
Staffeln: 1 (Miniserie)
Zeitraum: 2009
US-Sender: HBO
Genre: Kriegsdrama
Preise: 8 Emmy Awards
Schöpfer: Tom Hanks & Steven
Spielberg
Hauptdarsteller: Joseph Mazzello
Inhalt: Eugene Sledge, Robert Leckie und John Basilone sind junge Männer, die dem US-Marine-Corp beigetreten sind, um ihr Land im Kampf gegen die Japaner zu unterstützen. Ihr Ziel ist es, so viele „Japsen“ wie möglich zu töten. Doch als die drei Männer die wirkliche Tragweite des Krieges miterleben, beginnen sie sich zu verändern. Sie wissen, dass jeder Tag nun ihr letzter sein kann…
Zur Serie: Ein weiteres Monumentalwerk der Herren Hanks und Spielberg wurde 2009 auf HBO ausgestrahlt und ist das bis heute teuerste TV-Projekt überhaupt. Satte 200 Millionen Dollar später stand ein Kriegsdrama, welches in die Fußstapfen von „Band of Brothers“ tritt. Von vorne bis hinten technisch perfekt umgesetzt, erzählt diese Miniserie die Geschichte von drei US-Marines im Pazifikkrieg. Visuell liefert die Serie bewegende wie große Bilder. Die Kampfhandlungen sind realistisch und fesseln umgesetzt. Der Krieg wird hier von Hanks und Spielberg erneut wieder sehr nahe gehend, hinterfragend und verantwortungsvoll dargestellt. „The Pacific“ zeigt noch einmal, wie groß Fernsehen heutzutage ist. So haben es selbst die meisten Kinoformate sehr schwer, erzählerisch und optisch mit „The Pacific“ mitzuhalten. Das ist Serienunterhaltung mit mehr Botschaft als Unterhaltung und ein absoluter Beweis für die Qualität von TV-Serien unserer Generation!...zur Kritik
Fazit und Ausblick
Das Fazit, welches man aus den vergangenen zehn Jahren im Serien-Bereich ziehen
kann, ist ein fast durchweg positives. Denn die Liste hört bei den von
Moviesection.de besprochenen 20 Serien lange nicht auf. Weitere hochwertige
Formate wie zum Beispiel „The Shield“, „Six Feet Under“,
„Fringe“, „Dexter“, „Deadwood“, „In
Treatment“, „The Beast“, „Over There“ oder „Firefly“
haben ebenfalls ihren Beitrag zur Entwicklung und zum reinen Genuss des Formats
Serie geleistet bzw. leisten ihn immer noch.
Natürlich muss man dennoch realistisch bleiben. Eine TV-Serie dient in
erster Linie dem Zwecke der Unterhaltung und für Sender und Studios dem
Zwecke des Profits. Auf alle Qualitätsserien, die existieren, kommen mindestens
doppelt so viele weniger gute Serien. Doch welches Format der Zuschauer wählt
und wo seine Ansprüche und Vorlieben liegen, bleibt ganz alleine ihm überlassen.
Fakt ist aber, dass die qualitative Dichte im Fernsehen noch nie so hoch war
wie heutzutage.
Auch wenn US-Qualitätsfernsehen in Deutschland allgemein weniger Beachtung
findet, lohnt sich doch auf jeden Fall der Blick auf jenes, da es hier viele
Juwelen zu entdecken gibt. Denn „Grey´s Anatomy“, „CSI“
und Co. sind nicht das Ende der Serienwelt.
So ist auch für die Zukunft eine äußerst positive Prognose
zu stellen. Neue oder kommende TV-Serien wie „Boardwalk Empire“,
„The Good Wife“, „Harry´s Law“, „The Big
C“, „Falling Skies“, „The Walking Dead“, „The
Killing“ oder „Game of Thrones“ schließen nahtlos an
das vergangene goldene Jahrzehnt an und werden auch in Zukunft TV-Unterhaltung
der Extraklasse bieten.
Egal ob „Serial“ oder „Procedural“, ob Science-Fiction,
Crime, Drama, Comedy oder Mystery, das Genre TV-Serie ist vielseitiger und hochwertiger
als jemals zuvor. Es gilt Fernsehen der nächsten Generation zu entdecken,
welches in Sachen Qualität keine Grenzen mehr nach oben zu kennen scheint.
Moviesection.de hofft, dass wir vielleicht Lust auf einige dieser TV-Perlen
machen konnten.
Sascha Koch
Moviesection.de