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DVD-Tipp: CIAO

"Ciao" ist ein besonderer Vertreter des Genres "Schwuler Film". Anlässlich dieser außergewöhnlichen DVD-Veröffentlichung sprachen wir mit Regisseur Yen Tan.


6 Fragen an Regisseur Yen Tan

Moviesection: “Ciao” ist ein wunderbarer Film mit einer besonderen Atmosphäre und tollen Schauspielern. Wie lange dauerte es, Cast & Crew zusammenzubekommen?
Yen Tan: Dankeschön! Wir brauchten nicht lange, um einen anständigen Cast zusammenzubekommen. Ich traf die bewusste Entscheidung mit Menschen zu arbeiten, die ich schon eine Weile kenne und die Schauspieler sind gleichzeitig meine Freunde. Wir gingen also nicht den konventionellen Weg, um die richtigen Schauspieler für die Rollen zu bekommen.

Moviesection: „Sex sells!“ – besonders in schwulen Filmen. Einer der beeindruckendsten Dinge an „Ciao“ ist, dass Du keine einzige Sexszene in den Film geschrieben hast. Das ist großartig! Wie kam es dazu und: Wusstest Du vorher schon, wie erotisch ein einzelner Kuss sein kann?
Yen Tan: Um ehrlich zu sein, waren die ursprünglichen Fassungen des Scripts sehr sexuell. Doch als wir die Geschichte weiterentwickelten, wurden diese Elemente mehr und mehr unwichtig und ich entschied mich dazu, sie rauszustreichen. Ich wusste nicht, wie die Kussszene werden würde bis zu dem Tag, an dem wir sie drehten. Auf Papier stand da nur ein kleiner Absatz, aber auf der Leinwand ist sie nahezu vier Minuten lang. Ich wusste definitiv nicht, wie kraftvoll dieser Effekt werden würde.

Moviesection: Zwischen Deinen beiden Schauspielern ist ein besonderes Feeling. Wie schwer ist es, ein solch perfektes Paar zu finden? Man weiß doch schlussendlich nie, wie zwei Menschen miteinander harmonieren.
Yen Tan: Es war nicht allzu schwer, Alessandro und Adam zu finden. Es waren beides Menschen, die ich bereits kannte. Aber die Chemie ist ein kniffeliges Ding und ich musste mir eingestehen, dass ich noch immer nicht weiß, wie ich das verstehen kann. Ich versuche einfach die besten Schauspieler zu casten und hoffe, dass es im Film funktioniert.

Moviesection: Was wünschst Du Dir von dem Schwulen Film?
Yen Tan: Etwas beschauliches, etwas, dass mich noch Tage nach dem Sehen beschäftigt. Aber das wünsche ich mir von jedem Film – schwul oder nicht.

Moviesection: Hast Du Filmfavoriten in diesem speziellen Genre?
Yen Tan: Wong Kar-Wai’s „Happy Together“ und „Francois Ozon’s „A Time to Leave“ kommen mir da in den Sinn. Das sind beides Filme, die ich immer und immer wieder sehen kann.

Moviesection: Was wird Dein nächster Film sein? Kannst Du uns schon etwas verraten?
Yen Tan: Alessandro und ich planen, erneut zusammen zu arbeiten. Das Script ist bereits fertig. Wir stecken gerade mitten in der Finanzierung und hoffen noch dieses Jahr in Produktion gehen zu können. Drücken wir die Daumen.


CIAO - JEDES ENDE IST AUCH EIN NEUBEGINN

Seit über einem Jahr treffen sich der Italiener Andrea und der Texaner Mark online. Chatten. Lachen. Sich verlieben? Endlich wollen sich die beiden treffen. Als Andrea eine Email mit den letzten Daten an Mark schickt, bekommt er eine Antwort von Jeff, Marks bestem Freund. Er erzählt ihm, dass Mark bei einem Autounfall in der vergangenen Woche starb. Andrea entscheidet sich, auf Jeffs Einladung hin dennoch nach Texas zu fliegen. Zwei Tage verbringen die beiden miteinander, teilen Erinnerungen an Mark und kommen sich so näher...

Die Werbezeilen im Fall von "Ciao - Jedes Ende ist auch ein Neubeginn" lügen nicht, wenn sie Worte, wie "Das ist der beste Queer-Film des Jahres!" oder "Ein fantastischer Film, meisterhaft geschrieben, inszeniert und gespielt!" veröffentlichen. Tatsächlich ist dieses Drama, in dem die Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen geradezu spürbar und greifbar wird, ein wunderbarer Film geworden, in dem vor allem der italienische Webdesigner Alessandro Calza derart natürlich spielt, als habe er nie etwas anderes getan.
2003 erhielt der Filmemacher Yen Tan eine Email aus Italien. Alessandro Calza schrieb ihm, wie sehr ihm dessen Film "Happy Birthday" gefallen habe. Aus dieser Email entwickelte sich eine inspirierende Webfreundschaft, aus der dann das Drehbuch zu "Ciao - Jedes Ende ist auch ein Neubeginn" entstand. Alessandro Calza schrieb mit Yen Tan gemeinsam das Drehbuch und übernahm auch kurzerhand die zweite Hauptrolle neben Adam Neal Smith, der Jeff spielt. Eine wunderbare Geschichte zu der Entstehung eines Films.

"Ciao - Jedes Ende ist auch ein Neubeginn" ist in allen Belangen ein eindringliches und überzeugendes Drama geworden, das beweist, dass ein schwuler Film keine Sexszene braucht, um zu glänzen. Ein Kuss kann so viel erotischer sein, als nackte Haut. Dass dieser Film so eindrücklich funktioniert, muss man in diesem Genre bereits als herausragend bezeichnen - wenn nicht sogar als "must-see"! ... zur kompletten Filmseite