Huhn mit Pflaumen

Poulet aux prunes

Filmplakat Huhn mit Pflaumen
Regie Marjane Satrapi, Vincent Paronnaud  Drehbuch Marjane Satrapi, Vincent Paronnaud  Produzent Hengameh Panahi 
Genre Drama 
Land Frankreich  Kinostart 05.01.2012  DVD-Start 09.08.2012  Verleih Prokino

Story

Der große Violinist Nasser Ali Khan verliert den Sinn seines Lebens aus den Augen, als sein geliebtes Instrument zerstört wird. Auf keiner anderen Geige wird er jemals wieder so spielen können. Er fasst den Entschluss sterben zu wollen. In den kommenden acht Tagen begibt er sich auf die Spuren seiner Vergangenheit, durchreist wichtige Lebensstationen und widmet seine Erinnerungen seinen Kindern, seiner Ehefrau, seiner Mutter und einer vergangenen Liebe. Allmählich gelüftet wird dabei das große Geheimnis, das Liebe und Musik vereint.

Schauspieler

Huhn mit Pflaumen Mathieu Amalric, Isabella Rossellini, Golshifteh Farahani, Maria de Medeiros, Jamel Debbouze, Chiara Mastroianni, Edouard Baer, Eric Caravaca

Filmkritik von Kathrin Lang

Kathrin vergibt 3 von 5 Ms Huhn mit Pflaumen Nach dem Sensationserfolg „Persepolis“ von 2007 verfilmt Marjane Satrapi mit „Huhn mit Pflaumen“ erneut eine ihrer Graphic Novels. Wiederholt arbeitet sie dafür mit dem Regisseur Vincent Paronnaud zusammen, mit dem sie sich nach „Perspeolis“ auch bei „Huhn mit Pflaumen“ den Regiestuhl teilt. Zusammen erschufen die beiden erneut einen vor allem in seiner Erzählstruktur außergewöhnlichen Film. Als Ausgangspunkt dient die Grundkonstellation der „Märchen aus 1001 Nacht“. Dort ist es die Jungfrau Scheherazade, die dem König Schahriyâr Märchen erzählt, um dem sicheren Tod zu entkommen. In ihrem Drehbuch übernimmt Marjane Satrapi die Idee der Vielzahl an kleinen, in sich verschachtelten Geschichten und verknüpft das klassische Märchenerzählen mit einer bunt gemischten filmischen Erzählstruktur. „Huhn mit Pflaumen“ ist zu keiner Zeit nur eine Geschichte über einen neurotischen Geigenspieler oder über eine große Liebe, sondern baut in Form von Rückblenden oder Vorausschauen immer wieder auch kleine Geschichten über das Leben ein, die mehr oder minder losgelöst vom Hauptplot, ihre eigene Essenz ergeben. So taucht in einer Szene der Todesengel Azrael auf, während die Nächste als Cartoon-Rückblende inszeniert ist, während der wiederum nächste Blick in die Zukunft schweift, wo in einer Art Sitcom-Stil der amerikanische Way of Life parodiert wird. Der Ideenreichtum von „Huhn mit Pflaumen“ und die vielen, ganz unterschiedlichen filmischen Herangehensweisen erscheinen grenzenlos, was durchaus bewundernswert ist.

Obwohl „Huhn mit Pflaumen“ von seiner Unberechenbarkeit und seinem Überraschungswert lebt, bremst sich die Erzählung dadurch allerdings auch häufig selbst aus. Immer wieder wird man als Zuschauer aus der Illusion herausgerissen und durch die vielen Sprünge und Perspektivwechsel darauf aufmerksam gemacht, dass man gerade im Kino sitzt und nur allzu offensichtlich Zeuge von konstruierten Geschichten wird. Die Übergänge erscheinen oft zu hart, das Erzählrad läuft nicht rund. Auch Hauptdarsteller Mathieu Amalric überzeugt nicht immer. Obwohl man ihm eine gewisse, durchaus gewollte Komik nicht absprechen kann, fehlt es seinem Spiel an Facettenreichtum. Während sich das Setting um ihn herum in einem ständigen Wandel befindet, verharrt Amalric in seiner einen Schauspielerpose, ohne sich den sehr differenzierten Lebenssituationen seiner Figur glaubhaft anzupassen.

Mit dem scharfen und kritischen Gesellschaftsporträt „Persepolis“ kann das neue filmische Werk von Marjane Satrapi leider nicht mithalten. Obwohl es gewiss ihr Ansatzpunkt war, eine möglichst wenig geradlinige Geschichte zu erzählen, findet sie in ihrer vielschichtigen und einfallsreichen Erzählstruktur letztlich doch zu wenig auf den Punkt. Als Exil-Französin, von ihren Eltern während der islamischen Revolution nach Europa verbannt, wollte sie vermutlich ihre schmerzliche Gelähmtheit zum Ausdruck bringen, erschuf damit jedoch einen Film, der auf der Leinwand zu Teilen zwar gut funktioniert, dem am Schluss jedoch die große Erkenntnis und die sinnerfüllte Vernetzung aller kleinen Details fehlt.

Wissenswertes

Huhn mit Pflaumen "Huhn mit Pflaumen" ist nach "Persepolis" die zweite Verfilmung einer Graphic Novel von Marjane Satrapi.



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