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Regie
Lars von Trier
Drehbuch
Lars von Trier
Produzenten
Louise Vesth, Meta Louise Foldager
Genre Science-Fiction-Drama FSK 12 Filmlänge 130 min Land Dänemark, Schweden, Frankreich, Deutschland Kinostart 06.10.2011 DVD-Start 03.05.2012 Blu-ray-Start 03.05.2012 Verleih Concorde Film |
Die Hochzeit von Justine und Michael sollte der glücklichste Tag ihres Lebens werden. Nachdem die beiden zu den Feierlichkeiten geschlagene zwei Stunden zu spät kommen, sieht schließlich doch alles so aus, als ob die beiden eine prächtige Hochzeit im luxuriösen Anwesen von Justines Schwester Claire und deren Ehemann John zelebrieren könnten. Doch der Schein trügt: Nachdem Justines Mutter eine düstere und nur wenig optimistische Ansprache zum Thema Heirat und Bund fürs Leben gehalten hat, gerät Justines nur oberflächlich heile Welt schon bald erneut ins Wanken. Am Ende des Abends, ist nichts mehr so, wie es ursprünglich vorgesehen war…
Einige Zeit später steht die Erde kurz vor einem gefährlichen, zugleich aber auch faszinierenden Naturschauspiel. Melancholia, ein fremder und um ein Vielfaches größerer Planet als die Erde, nähert sich mit rasender Geschwindigkeit. Obwohl Wissenschaftler berechnet haben, dass Melancholia mit der Erde nicht kollidieren, sondern nur haarscharf an ihr vorüberziehen wird, gerät die ansonsten gefasste Claire in Panik. John gelingt es zwar weitgehend seine Frau zu beruhigen, doch ist die Situation im Allgemeinen angespannt - nicht zuletzt deshalb, weil Justine nach der nur oberflächlich feierlichen Hochzeit, wieder in ihrer Depression versunken ist. In Anbetracht des vielleicht drohenden Untergangs der Welt, ist Justine letztlich die Einzige, die dem Naturspektakel gelassen entgegenblicken kann…
Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Kiefer Sutherland, Charlotte Rampling, John Hurt, Alexander Skarsgård, Stellan Skarsgård, Brady Corbet, Udo Kier, James Cagnard, Jesper Christensen, Deborah Fronko, Cameron Spurr
Kaum ein anderer Regisseur hat sich seit Anbeginn seiner Karriere so häufig und so radikal immer wieder neu erfunden wie Lars von Trier. Nach dem 2009 in unseren Kinos gestarteten „Antichrist“, dessen Drehbuch Lars von Trier inmitten einer schweren Depression schrieb, dürfte es für viele reichlich Überwindung kosten, sich den nächsten Film des dänischen Erfolgsregisseurs anzusehen. Zu tief sitzt der Schock von Lars von Triers verstörenden Bildern, die eine Geschichte erzählen, die nur allzu offensichtlich aus ungesunden Trieben heraus entstand. All jene Zuschauer dürfen jedoch aufatmen, denn das neue Werk „Melancholia“ steht in gewisser Weise für Genesung – obwohl Lars von Trier den Untergang der Welt nach wie vor als wohl besten Ausgang für die Menschheit zu verstehen gibt.
Unausweichlich steuert die Menschheit auf ihr Ende zu. Mittels eines fulminanten Prologs, in dem stilisierte Bilder in Zeitlupe zu prägnanten Momentaufnahmen werden, kündigt „Melancholia“ nicht nur das radikale Ende der Menschheit an, sondern zugleich auch das Finale des Films. Unweigerlich steuert die Geschichte, die im Folgenden in zwei Teilen erzählt wird, auf ihr tragisches Ende zu. Wenngleich jegliche Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang der Handlung im Keim erstickt wird, ist „Melancholia“ doch ein Film, der in aller Dunkelheit immer wieder das Gute sucht und häufiger als erwartet auch findet. Lars von Trier wird das selbst nur ungern hören, doch tatsächlich ist sein neustes Werk in gewisser Weise eine zutiefst menschliche Erfahrung, die nachhaltig bewegt.
Die Atmosphäre, die Lars von Trier erzeugt, ist einzigartig. Ästhetisch zwischen Finsternis und Helligkeit, zwischen Schwere und Leichtigkeit pendelnd, immer wieder monströs von atemberaubender Musik Wagners begleitet und durch kraftvolle Kameraeinstellungen weiter bestärkt, wohnt „Melancholia“ eine geradezu ergreifende Schönheit inne. Diese Ambivalenz, der häufig im Schein des Schönen vor dem Hintergrund des drohenden Untergangs Ausdruck verliehen wird, wird von den Schauspielern hervorragend aufgegriffen. Ganz vorne mit dabei Kirsten Dunst, die in der Rolle der melancholisch-depressiven Justine den Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere erreicht. Während zu Beginn des ersten Kapitels, in dem Justine ihre prächtige Hochzeit feiert, der glückliche Sonnenscheinmensch vorgegaukelt wird, enthüllt sich hinter dem strahlenden Lächeln allmählich eine Seele, die düster ist und von Depressivität durchzogen. Kirsten Dunst, die 2008 zugab, selbst unter Depressionen zu leiden, drückt in ihrem Spiele eine geradezu erschreckende Authentizität eines pessimistischen, wenngleich sehr klar- und weitsichtigen Charakters aus. Charlotte Gainsbourg, in der Rolle der zunächst starken, dann aber doch ängstlichen Schwester Claire, reicht mit ihrer Darstellung nicht an Kirsten Dunst heran, überzeugt aber dennoch auch auf sehr hohem Niveau. Die zwei unterschiedlichen Frauen an der Schauspielerfront verleihen Lars von Triers „Melancholia“ zusätzliche ungeheure Stärke und Ausdruckskraft.
„Melancholia“ ist Kino wie man es nur ein Mal erlebt. Was Lars von Trier als Nächstes produzieren wird, nach dem er die Welt in den Untergang geschickt hat, liegt im Ungewissen verborgen. Was soll jetzt schon noch kommen? Was soll „Melancholia“ jetzt noch übersteigen?
"Melancholia" wurde im englischen Original mit deutschen Untertiteln gesehen und bewertet.
Für die Darstellung der Justine wurde Kirsten Dunst bei den Filmfestspielen von Cannes 2011 als beste Schauspielerin ausgezeichnet.
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